«An Eames Celebration» im Vitra Design Museum

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Kein anderer Designername verbinden wir so sehr mit technischer Perfektion und Zeitlosigkeit – Charles und Ray Eames. Sie zählen zu den bedeutendsten Designern des 20. Jahrhunderts. Mit ihren Möbeln, Filmen, Büchern, Ausstellungen und Medieninstallationen beeinflussten sie Generationen von Gestaltern. Noch bis zum 25. Februar 2018 präsentiert das Vitra Design Museum unter dem Titel  «An Eames Celebration» parallel vier Ausstellungen, die das Werk des legendären Designerpaares so umfassend wie nie zuvor vorstellen. lifetimedesign.ch stellt die vier Ausstellungen im Überblick vor.

«Charles & Ray Eames. The Power of Design» – Hauptgebäude des Vitra Design Museums

Die Ausstellung im Hauptgebäude des Vitra Design Museums gibt einen umfassende Überblick über das Gesamtwerk und das Leben des Designerpaares. Sie umfasst über 500 Exponate, basiert auf einer Ausstellung des Barbican Centre London und wurde für ihre einzige Präsentation im deutschsprachigen Raum ergänzt und neu inszeniert. Mit einer grossen Auswahl von Originalwerken veranschaulicht die Retrospektive das Zusammenspiel von Charles und Ray Eames, das die Grundlage für das kreative Schaffen des wohl erfolgreichsten Designerduos der Geschichte bildete.

Der erste Teil der Ausstellung ist dem Beginn der Zusammenarbeit von Charles und Ray Eames gewidmet. Als Architekt war Charles Eames ein begnadeter Techniker, während Ray Eames in ihrem Studium der Malerei ein unfehlbares Gespür für Farbe, Komposition und Form entwickelt hatte. Die beiden lernten sich 1940 kennen, heirateten ein Jahr später und eröffneten 1947 das Eames Office in Kalifornien. Hier entstanden bis 1988 Hunderte von Auftragsarbeiten und eigene, oft experimentelle Projekte.

International bekannt wurden Charles und Ray Eames durch ihre Möbelentwürfe, die im zweiten Ausstellungsbereich präsentiert werden. Zunächst setzten sie sich mit Sperrholz auseinander, dessen Möglichkeiten sie bis an die Grenzen ausloteten. Gegen Ende der 1940er Jahre wandten sie sich den immer populärer werdenden Kunststoffen zu und schufen die legendären Fiberglas-Möbel, die sich schon bald in vielen Haushalten und öffentlichen  Einrichtungen fanden. In den Folgejahren entstanden Möbel wie der Lounge Chair, die Aluminium-Group-Möbel und die sogenannte Wire Series aus Drahtgitter, die heute als Meilensteine im Möbeldesign des 20. Jahrhunderts gelten.

Ein anderer Teil der Ausstellung ist den Interieurs und Bauten gewidmet. Das Designerpaar Eames war fasziniert von Objekten der Volkskunst, die sie auf vielen Reisen zusammentrugen und in zahlreichen Interieurs mit ihren eigenen Entwürfen zu vielschichtigen Arrangements zusammenfügten. Beispielhaft hierfür ist das eigene Wohnhaus von Charles und Ray Eames, das 1949 als Teil einer Reihe von Case Study Houses entstand, mit denen neue Bau- und Wohnformen veranschaulicht werden sollten. Im Eames House verbanden Charles und Ray Eames Arbeit und Privatleben. Hier wurden Entwürfe fotografiert, Filme gedreht und Kunden empfangen. Hier wurde der Mythos gestaltet, der das Werk der Eames’ schon bald umgab.

Die Möbel und Bauten, die zu den bekanntesten Werken von Charles und Ray Eames gehören, entstanden in einem Zeitraum von nur etwa 15 Jahren. Ab den späten 1950er Jahren befassten sich die beiden vor allem mit Ausstellungen, Filmen und multimedialen Installationen und wurden damit zu Pionieren des Informationszeitalters. Mit den Werken aus dieser Zeit befasst sich ein weiterer Teil der Ausstellung. So schufen die Eames’ einige der ersten multimedialen Film-Ton-Installationen. Im Jahr 1971 konzipierten und gestalteten die beiden mit «A Computer Perspective», eine Ausstellung über die Geschichte des Computers, in der sie die bahnbrechenden Auswirkungen der Digitalisierung vorwegnahmen.

«Ideas and Information. Die Eames-Filme» – Feuerwehrhaus

Die Ausstellung im Feuerwehrhaus von Zaha Hadid präsentiert eine umfangreiche Auswahl der Filme von Charles und Ray Eames. Neben Multimediainstallationen und Ausstellungen über Technik und Naturwissenschaft schufen die Eames über 100 Kurzfilme, deren Produktion ab den 1960er Jahren ein wesentlicher Schwerpunkt des Eames Office wurde. Zunächst setzten die Eames den Film bei der Kommunikation ihrer Designideen und -arbeiten ein. Aber schon bald entdeckten sie das Medium als ideales Mittel zur Verbreitung von Wissen an der Schnittstelle von Design, Kunst, Naturwissenschaft und Technik.

 

Durch die Filme konnten sie auch komplexe Zusammenhänge unterhaltsam und präzise darstellen und damit mehr Menschen zugänglich machen. Mit der Ausstellung «Ideas and Information» wird das filmische Werk der Eames’ als wesentlicher Teil ihres Gesamtwerks erstmals angemessen gewürdigt und die Bedeutung von Charles und Ray Eames als Vorreiter neuer Medientechnologien und neuer Formen der Wissensvermittlung aufgezeigt.

«Play Parade. Eine Eames- Ausstellung für Kinder» – Vitra Design Museum Gallery

«Take your pleasure seriously!»: Dieser Leitsatz von Charles Eames bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung «Play Parade». Sie zeigt Spielzeuge, Kurzfilme und Objekte aus der Spielzeugsammlung von Charles und Ray Eames in einer formen- und farbenreichen Rauminstallation zum Betrachten, Entdecken und Mitmachen. Die Originalobjekte sind zwar sicher in Vitrinen verwahrt, doch liegen allerlei Rekonstruktionen und Re-Editionen zum Ausprobieren und Spielen bereit. Unter den Exponaten sind «The Toy», ein Bausystem aus Stäben und bunten Flächen, Tiermasken, das berühmte «House of Cards» und Filme, in denen unzählige Kreisel tanzen oder Puppen und Spielzeugwagen eine fröhliche Parade veranstalten. Die Ausstellung verdeutlicht, wie ernst Charles und Ray Eames ihre Arbeit und Forschung an Spielobjekten nahmen und wie spielerisches Vorgehen beim Entwerfen die Quelle von Kreativität sein kann.

«Kazam! Die Möbelexperimente von Charles & Ray Eames» – Vitra Schaudepot

Wie entstanden die Möbelentwürfe von Charles und Ray Eames? Diese Frage beantwortet die Ausstellung «Kazam!» im Schaudepot anhand von Studienmodellen, Experimenten und Prototypen. Im Zentrum steht die grosse Sammlung an Serienmöbeln und Möbelexperimenten, die das Vitra Design Museum 1988 vom Eames Office übernahm und seitdem stetig erweiterte. Heute verfügt das Vitra Design Museum über die grösste Sammlung an Eames-Objekten weltweit. Darunter befinden sich Design-Ikonen wie der Lounge Chair oder die Möbelskulptur La Chaise, aber auch Serienmöbel aus Schichtholz, Kunststoff, Aluminium oder Drahtgitter. Jedem dieser Entwürfe gingen lange Entwicklungsphasen und Experimente voraus. Die meisten wurden auch nach der Markteinführung immer wieder überarbeitet und optimiert. Die Ausstellung zeichnet die Entwicklungsarbeit von Charles und Ray Eames anhand von bestimmten Möbelmodellen nach und zeigt, wie die beiden dabei immer wieder zu neuen, bahnbrechenden Lösungen gelangten. Auf eine solche Lösung bezieht sich auch der ungewöhnliche Titel der Ausstellung: In den späten 1940er Jahren baute das Designerpaar in der Küche ihrer Wohnung in Los Angeles eine Maschine, mit der man Sperrholz dreidimensional verformen konnte – der Name beschreibt das ohrenbetäubende Geräusch, das die Maschine dabei machte.

Weitere Präsentationen & Rahmenprogramm

Neben den vier Ausstellungen sind im Vitra Design Museums weitere Einblicke in das Werk von Charles und Ray Eames möglich. Dazu zählen die originalgetreue Rekonstruktion des Büros von Charles Eames sowie das Lagerregal der Sammlung des Eames Office im Schaudepot. Begleitet werden die Ausstellungen durch ein umfangreiches Programm an Vorträgen, Diskussionen und Workshops, die Einblicke in die Ideenwelt der Eames’ geben und zeigen, wie stark ihr Einfluss auf Design, Architektur, Film und Alltagskultur auch heute noch ist.

Vitra Design Museum
Charles-Eames-Straße 2
79576 Weil am Rhein
www.design-museum.de

Noch bis 25. Februar 2018 täglich von 10–18 Uhr

Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig