Auswirkungen der Abstimmung zum Energiegesetz auf den Immobiliensektor

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Am 21. Mai 2017 hat das Stimmvolk das revidierte Energiegesetz angenommen. Es dient dazu, den Energieverbrauch zu senken, die Energieeffizienz zu erhöhen und die erneuerbaren Energien zu fördern. Mit einem Ja-Anteil von 58.2 % haben die Schweizerinnen und Schweizer dieser Initiative zugestimmt und damit auch ihrer Zustimmung für den mittelfristigen Ausstieg aus der Kernkraft gegeben, zugunsten Sparmassnahmen im Energieverbrauch sowie generell in einem verantwortungsbewussteren Verhalten.

Der durchschnittliche Gesamtenergieverbrauch pro Person soll im Vergleich zum Jahr 2000 bis im Jahr 2035 um 43 Prozent gesenkt werden, der Stromverbrauch ebenfalls bis 2035 um 13 %. Durch energetische Sanierungen soll auch der Energieverbrauch von Gebäuden drastisch gesenkt werden.

Erste Einschätzungen

lifetimedesign.ch hat zwei Experten um eine erste Einschätzung etwaiger Auswirkungen auf den Immobiliensektor gebeten:

 

Frédéric Dovat ist Geschäftsführer der Union suisse des professionnels de l’immobilier (USPI Suisse), dem Branchenverband aus der Romandie.

Die USPI Suisse gehörte zu den Organisationen, die das revidierte Energiegesetz, das die Eigentümer dazu einlädt, ihre Immobilien energetisch zu sanieren, begrüsst haben. Das zweite Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 stiess beim Verband hingegen auf Ablehnung, der befürchtete, dass dieses eine abschreckende Wirkung auf Immobilienbesitzer gehabt hätte.

Frédérich Dovat, Geschäftsführer der USPI, bewertet das Abstimmungsergebnis folgendermassen: «Die Schweizerinnen und Schweizer befürworten den stärkeren Einbezug der erneuerbaren Energien, aber der Einbezug muss auf freiwilliger Basis und ohne Zwangsmassnahmen erfolgen, wie beispielsweise im revidierten Energiegesetz, wo energetische Sanierungen durch Steuererleichterungen belohnt werden.»

Was etwaige Auswirkungen dieser Initiative betrifft, meint Frédéric Dovat: «Durch die Ausstattung des Gebäudeprogramms von Bund und Kantonen für energetische Sanierungen mit mehr Geld aus der CO2-Abgabe und durch die Steuererleichterungen stehen Hausbesitzern mehr Mittel zur Verfügung, um die ehrgeizigen Ziele des Bundesrates zu erreichen. Dieses Programm geht in die richtige Richtung, ist aber immer noch unzureichend, um die energetische Sanierung des gesamten Schweizer Wohnungsbestandes zu ermöglichen.

Betreffend den Erhöhungen der Abgaben und damit auch der Mieten waren verschiedene Beträge von Fr. 40 bis Fr. 3200 – gemäss den Gegnern der Initiative –im Umlauf. «Der Betrag von Fr. 3200 reflektiert die Erhöhung der Steuern, die Teil des zweiten Massnahmenpaket zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 gewesen wären. Nun wurde dieser zweite Teil von den eidgenössischen Räten abgelehnt, so dass dieser Betrag keine Bedeutung mehr hat. Das erste Massnahmenpaket, über das an der Urne abgestimmt wurde, sah lediglich eine Erhöhung des Netzzuschlags vor. Diese Erhöhung macht für einen Vier-Personen-Haushalt Fr. 40 pro Jahr aus», sagt Frédéric Dovat und fügt an: Die Eigentümer können energetische Sanierungen als Mehrwert geltend machen und auf die Mieten übertragen. In Anbetracht der Situation am Immobilienmarkt, wo sich die Verkaufspreise in einem Abwärtstrend befinden und das Angebot an Mietobjekten weiter steigt. sollten energetische Sanierungen nicht zu einem massiven Anstieg der Mieten führen.»

Joachim Schütz, Chief Economist der Swiss Finance & Property Group

Swiss Finance & Property Group ist ein bedeutender unabhängiger Asset Manager. SFP unterstützt vor allem institutionelle Kunden in allen Aspekten der direkten und indirekten Immobilienanlage und den damit verbundenen Kapitalmarkttransaktionen.

Nach dem deutlichen «Ja» zur Energiestrategie 2050 ist klar: «Das Abstimmungsergebnis wird sicherlich zu einem neuen Schub an Renovationsinvestitionen im Energiebereich führen», so Joachim Schütz. Alleine das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen für energetische Sanierungen wird mit mehr Geld aus der CO2-Abgabe ausgestattet. Maximal 450 Millionen Franken pro Jahr statt der heutigen 300 Millionen stehen dafür zur Verfügung. Zudem gibt es Steuererleichterungen für energetische Sanierungen; auch die Abbruchkosten können neu von den Steuern abgezogen werden, wenn ein Altbau durch einen energetisch besseren Neubau ersetzt wird. «Doch da das Potenzial für Bruttomietzinssteigerungen eher als verhalten einzuschätzen ist, wird bis zum Erlass genauer Richtlinien das Tempo der Investitionen vom aktuellen Einsparpotenzial bestimmt werden. Bis auf weiteres wird sich daher der Trend zur stetigen Anpassung nicht ändern», führt Joachim Schütz weiter aus, da der Kostenanteil von zusätzlichen Energiesparaufwendungen beim Kauf einer Liegenschaft durch institutionelle Anleger bei längerem Besitz so gering sei.

Mit der Annahme des neuen Energiegesetzes gilt die Nutzung erneuerbarer Energien künftig als nationales Interesse. Der Ausbau wir zusätzlich auch durch schnellere Bewilligungsverfahren erleichtert. «Vieles hängt von der konkreten Umsetzung der in Aussicht gestellten Massnahmen ab. Dennoch wird die Tendenz zu einer stärkeren qualitativen Orientierung in Richtung nachhaltige Energiestruktur bzw. «Nachhaltigkeit» per se anhalten», so Joachim Schütz.

 

Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig