Chaplin’s World aus dem Blickwinkel der Architektur

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Am 16. April 2016 wurde in Corsier-sur-Vevey (VD) auf dem ehemaligen Anwesen der Familie Chaplin die langersehnte Chaplin’s World eröffnet. Die neue Kulturstätte lässt die Besucher in die Welt von Charlie Chaplin eintauchen und zeichnet das private und öffentliche Leben entlang der wichtigsten Stationen des Ausnahmetalents nach, nicht nur aus der historischen Perspektive, sondern vor allem auch interaktiv – zum hautnah Miterleben. Ein magischer Ort, den wir im Gespräch mit Philippe Meylan, Architekt, Initiator, Projektentwickler und Planer erleben dürfen.

Lifetimedesign.ch: Die Vision der Chaplin’s World wurde vor über 15 Jahren geboren und es brauchte viel Geduld, bis die Ideen realisiert werden konnten. Wie können wir uns das vorstellen?

Philippe Meylan: Ich stamme aus der Region und kenne die Familie Chaplin seit meiner Kindheit. Ich führte mein eigenes Architekturbüro schon seit vielen Jahren als ich beruflich in Quebec weilte und eine Begegnung die Entwicklung ins Rollen brachte. Ich traf Yves Durand, der in der Unterhaltungsindustrie und in der Zirkusbranche tätig ist und parallel dazu Museen auf der ganzen Welt realisiert. An der Wand hinter seinem Schreibtisch hing ein grosses Foto von Charlot. Wie sich herausstellte, waren wir beide grosse Bewunderer seines Werks, und wir tauschten uns ausführlich über den einmaligen Künstler aus. Ich fand diesen Zufall unglaublich und habe Yves Durand gleich in die Schweiz eingeladen, um ihm den Ort zu zeigen, den Charlie so geschätzt hatte. Während seines Besuchs in Vevey erörterten wir die Idee, ein Museum zum Thema Chaplin zu errichten, und wir entschieden uns schnell für eine Zusammenarbeit. Doch zu diesem Zeitpunkt stand das Anwesen von Charlie Chaplin nicht zum Verkauf…

Nachdem wir bereits ein Vorprojekt realisiert hatten, um unser Museumskonzept in den «Ateliers Mécanique de Vevey» mit der Unterstützung der Stadt Vevey zu realisieren, erhielt ich einen Anruf von Michael Chaplin, dem ältesten Sohn von Charlie. Er teilte mir mit, dass die Familie den Entschluss gefasst hatte, die Immobilie zu verkaufen. Offensichtlich hatten wir immer davon geträumt, das Museum an diesem Ort zu errichten! Man muss sich dabei die Dimensionen und die Magie des Ortes vor Augen halten, mit einer Fläche von 138 000 m2 mit Park, Gärten usw. Der perfekte Ort, um die Erinnerung an Charlie Chaplin am Leben zu erhalten.

So wurde mit der Unterstützung der Familie Chaplin, die immer an unser Projekt geglaubt hatte, die Chaplin-Stiftung ins Leben gerufen. Aber das war erst der Anfang. Es folgten viele Jahre harte Arbeit und erhebliche Investitionen unsererseits, um die Baubewilligung zu erhalten, den neuen Gestaltungsplan des Quartiers voranzutreiben, die Finanzierung auf die Beine zu stellen, die Gemeinden und den Kanton vom Projekt zu überzeugen usw. Teilweise kamen wir an unsere Grenzen und wollten das Projekt aufgeben. Die Hürden schienen unüberwindbar. Doch wir haben uns durchgebissen und wurden belohnt…

Lifetimedesign.ch: Wie haben Sie das architektonische und das stenographische Konzept unter einen Hut gebracht?

Philippe Meylan: Die Architektur und die Szenografie unterscheiden sich wesentlich. Wir haben die Szenografie in die Architektur integriert, denn wir strebten für die Besucher ein möglichst realistisches Erlebnis an. Wir wurden unterstützt von François Confino, ein Szenograf, der auf eine einzigartige internationale Karriere zurückblicken kann. Auch er ist ein Bewunderer des Werks von Chaplin und hat seine künstlerische Note in das Konzept eingebracht.

Dank der Erfahrung des französischen Unternehmen Grévin, das in Paris ein Wachsfigurenmuseum besitzt, befinden sich in der Ausstellung 32 Wachsfiguren von Persönlichkeiten, die den Lebensweg von Charlie Chaplin geprägt haben. Die Wachsfiguren wurden inszeniert und stehen für bestimmte Etappen im Leben von Charlie. Die Integration der Wachsfiguren in die Ausstellung war auch für uns eine wunderbare Überraschung. Das Resultat ist einzigartig und deshalb haben die Wachsfiguren auch einen hohen Stellenwert im Konzept erhalten.

Lifetimedesign.ch: Die Mehrzahl der Gebäude stand unter Heimatschutz. Was bedeutete das für Ihre Arbeit?

Philippe Meylan: Das «Manoir de Ban» ist im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung eingetragen, die übrigen Gebäude als Kulturgüter von regionaler Bedeutung. Die Renovation von Gebäuden dieser Kategorien erfordern viel Arbeit, um erfolgreich die Geschichte eines Ortes bewahren zu können. Beispielsweise im Manoir, erbaut im Jahre 1840, hatten wir die Bewilligung erhalten, die oberste Etage abreissen zu dürfen, um eine schöne hohe Decke zu ermöglichen. Die Farm auf dem Gelände befand sich in einem heruntergekommenen Zustand, und wir hatten den Umfang der erforderlichen Arbeiten unterschätzt. Wir mussten den Dachstock von Grund auf erneuern. Wir haben ebenfalls die Garagen und ein Appartement umgenutzt, um dort das Ticketing und eine Boutique einzurichten.

Aus Respekt vor dem Ort und um eine optische Dominanz des Neubaus zu verhindern, haben wir ein Untergeschoss eingeplant, das 12 Meter unter der Erdoberfläche liegt. In den ersten Projektphasen wollten wir dem Gebäude durch Materialien wie Stahl oder Glas eine prägnante architektonische Handschrift verleihen. Wir haben uns dann aber für einen schlichten, neutralen Bau entschieden, der nicht mit dem Manoir konkurriert.

Lifetimedesign.ch: Welches Teilprojekt war in architektonischer Hinsicht die grösste Herausforderung?

Philippe Meylan: Der Einbezug der Parkplätze in den Entwicklungsplan. Wir haben darauf geachtet, dass die Autos hinter der Vegetation versteckt sind, um die ruhige Atmosphäre auf dem Gelände zu erhalten und aus Respekt vor der umliegenden Natur. Das war eine echte Herausforderung.

Lifetimedesign.ch: Gibt es etwas in der Architektur, auf das Sie besonders stolz sind?

Philippe Meylan: Für mich steht das Ergebnis im Vordergrund. Wir sind stolz auf die Arbeit aller Anbieter, aber mein grösster Stolz ist es, dass wir nach 15 Jahren unser Ziel erreicht haben. Die absolute Hingabe und Leidenschaft von Yves Durand für Charlie Chaplin zählt für mich ebenfalls zu den Erfolgsfaktoren des Projekts.

 

Lifetimedesign.ch: Wer war innerhalb des Projekts für die Architektur verantwortlich?

Philippe Meylan: ARCO war bis zur Genehmigung des Quartierplans und für den Entwurf – bis zur Aktualisierung der Studien für die Architektur – verantwortlich. Mit meiner Unterstützung hat Itten & Brechbühl in Lausanne nach der Integration von ARCO das Mandat abgeschlossen.

Lifetimedesign.ch: Sie arbeiten mit spezialisierten Unternehmen zusammen. Wer sind Ihre Partner und haben sie von Beginn weg an den Erfolg des Projekts geglaubt?

Philippe Meylan: In Frankeich haben wir mit «La Compagnie des Alpes» den perfekten Partner für den Betrieb gefunden. Sie haben unsere Vision sehr schnell verstanden. Sie betreiben zum Beispiel das Wachsfiguren-Museum Grévin in Paris und gleichzeitig auch grosse Freizeitparks wie Futuroscope. Mit ihrem Know-how konnten wir das Projekt abschliessen.

Lifetimedesign.ch: Ist das architektonische Projekt mit der Eröffnung der Chaplin’s World bereits abgeschlossen oder planen Sie bereits Erweiterungen oder Neuerungen?

Philippe Meylan: Tatsächlich haben wir noch einige Köder im Köcher. Einige Bereiche wurden noch nicht entwickelt. Beispielsweise könnte das Untergeschoss des Manoirs zukünftig für temporäre Ausstellungen genutzt werden.

Lifetimedesign.ch: Die Sicherung der Finanzierung ist bei einem solchen Projekt wohl der wichtigste Faktor. Mit welchen Argumenten überzeugten Sie potenzielle Investoren?

Philippe Meylan: Die ersten und wichtigsten Investoren waren neben mir, Yves Durand und unsere Partner in Luxemburg, die Genii Capital. Wir bilden zusammen eine Investorengemeinschaft, die «Manoir de Ban SA». Wir verfügten über einen ausgezeichneten Businessplan und eine vollständige Budgetübersicht. Mit diesen Unterlagen wurden wir von den Banken wohlwollend empfangen und sie gewährten uns die Hypothek. Ebenfalls erhielten wir ein Darlehen des Kantons Waadt mit solidarischer Mitbürgschaft der umliegenden Gemeinden.

Lifetimedesign.ch: Wie viel Geld wurde in die Entwicklung der Chaplin’s World investiert?

Philippe Meylan: Insgesamt wurden über 60 Mio. Schweizer Franken in das Projekt investiert.

Lifetimedesign.ch: Die Chaplin’s World wurde im April eingeweiht. Es ist vielleicht noch ein bisschen früh für eine erste Bilanz, aber wie ist die Eröffnung verlaufen und wie lauten die ersten Rückmeldungen der Besucher?

Philippe Meylan: Die Zufriedenheits-Index ist exzellent und erreicht nahezu 100 Prozent. Die Besucherzahlen sind ebenfalls sehr hoch. Prognostiziert war, dass 66 % der Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland stammen. Im Moment kommt unser Publikum vorwiegend aus der Schweiz oder dem angrenzenden Ausland. Chaplin war weltweit eine Ikone, deshalb sind wir – was die internationalen Besucher betrifft – sehr zuversichtlich. Das Potenzial ist unerschöpflich.

Wir haben von Beginn weg enorm viele Komplimente erhalten. Inhaltlich bezogen sich diese auf die Magie des Ortes und die Qualität der Ausstellung.

Lifetimedesign.ch: Wie beschreiben Sie die Chaplin’s World in wenigen Worten?

Philippe Meylan: Für mich ist die Chaplin’s World eine Mischung aus Geschichte, Emotionen und Lachen.

 

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Mélina Neuhaus
Mélina Neuhaus

Co-fondatrice et directrice de communication/relations publiques Elitia Communication