«Die Leidenschaft jedes einzelnen Winzers ist das Geheimnis unserer Weine»

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Mit dem Gewinn des Weltmeistertitels für den Heida Barrique als weltweit besten Weisswein 2014 in London hat die St. Jodern Kellerei die Weinbauregion Visperterminen als höchster Weinberg Europas weltweit bekannt gemacht. Markus Burgener, Geschäftsführer der St. Jodern Kellerei in Visperterminen im Gespräch mit lifetimedesign.ch

lifetimedesign.ch: Markus Burgener aufgrund archäologischer Funde weiss man, dass schon die Kelten in Visperterminen Weinanbau betrieben haben. Die St. Jodern Kellerei ist jedoch vergleichsweise noch eine junge Kellerei. Was ist der Grund dafür?

Markus Burgener: Sehen Sie, die Lebensbedingungen hier in Visperterminen hatten sich stark verändert und der Wein erhielt einen ganz neuen Stellenwert. Früher wurde viel mehr Wein konsumiert. Hinzu kamen die grossen Erträge bei den Weinernten Ende der 70er Jahre. Deshalb entschied man sich1979 in Visperterminen eine Genossenschaft zu gründen und gleichzeitig eine Kellerei zu bauen. Das Ziel war die gemeinsame Vermarktung der Weine aus unserer Weinbauregion. Seit gegen 40 Jahren werden in der St. Jodern Kellerei die Weine aus dem Rebberg «Rieben» vinifiziert, der als höchster Weinberg Europas gilt.

lifetimedesign.ch: Wie präsentiert sich die St. Jodern Kellerei denn in Zahlen?

Markus Burgener: Im Jahre 1980 konnten 120 Genossenschafter das erste Mal ihr Traubengut in der neu gebauten St. Jodern Kellerei abgeben. Mittlerweile verhelfen uns über 500 Genossenschafter jährlich zu ca. 300‘000 Liter Wein, den wir in der Kellerei in ca. 400’000 Flaschen abfüllen, was einen durchschnittlichen Verkauf von ca. 1’500 Flaschen pro Tag ergibt.

lifetimedesign.ch: Der Heida ist ihr wichtigster Wein. Was zeichnet den Heida der St. Jodern Kellerei aus?

Markus Burgener: Der Heida ist eine uralte Rebsorte und zählt zu den aussergewöhnlichen Raritäten der Schweiz. Sie wird vor allem in Visperterminen auf einer Höhe von bis zu 1150 Meter über Meer angebaut. Der Heida wird klassisch ausgebaut. Es gibt ihn von der St. Jodern Kellerei in vier Ausprägungen: den klassischen Heida ausgebaut im Stahltank, leicht süss als Melodie, komplex im Holzbarrique oder ursprünglich als Heida Veritas aus wurzelechten, ungepfropften alten Reben. Der Heida Veritas der St. Jodern Kellerei gehört zu den Weinen, die in der Schatzkammer des Mémoire des Vins Suisses vertreten sind. Die Sammlung vereint über 50 Gewächse von Winzern aus allen sechs Anbauregionen der Schweiz. Jedes Jahr werden jeweils 60 Flaschen auf die Seite gelegt, um das Alterungspotenzial auszuloten.

lifetimedesign.ch: In der Chronik «Das Oberwallis unserer Ahnen» von F. G. Stebler (um 1900) steht: «Es wird von diesem Wein (Anm. Heida) erzählt, dass man beim Genusse in hinreichender Menge unendlich gescheid reden könne, man fühle sich ungemein glücklich und reich und besitze die Kraft eines Riesen.»…

Markus Burgener: Die Heida-Trauben bringen es in guten Jahren auf einen Zuckergehalt von mehr als 100 Öchslegraden, das schlägt sich im Alkoholgehalt des vergärten Weins nieder. Dazu hat der Heida wenig Säure, so dass er sehr geschmeidig über den Gaumen hinunterläuft. Hier in Visperterminen hat der Heida auch den Übernahmen «Knochenbrecher», weil er nicht in den Kopf, sondern in die Beine geht. Doch der Heida hat viel mehr zu bieten als ein hoher Alkoholgehalt. Mit dem Gewinn des Weltmeistertitels für den Heida Barrique als weltweit bestem Weisswein 2014, haben wir bewiesen, dass sich unsere Weissweine mit den besten Weinen der Welt auf Augenhöhe bewegen.

 

lifetimedesign.ch: Wie kam es denn zur Gründung der Heidazunft?

Markus Burgener: Vor 1979 waren viele Parzellen am «Rieben» nicht mehr gepflegt worden. Ganz besonders diejenigen ganz oben, die schwer erreichbar sind. Weil es für das Wallis und die Schweiz schade gewesen wäre, wenn dieser Weinberg verloren gegangen wäre, wurden mit der Unterstützung des Fonds Landschaft Schweiz die verfallenen Trockenmauern und Rebparzellen 1997 wieder aktiviert. Die höchsten Parzellen waren aber für die Privatbesitzer zu weit weg. Diese Eigentümer hatten genügend andere Reben und wollten nichts mehr wissen von den höchsten Reben. So wurde im Jahr 1999 die Heida-Zunft gegründet, mit dem Ziel den Heida Visperterminen und die obersten Parzellen zu erhalten. Nach den Statuten der Zunft muss jeder, der mitmachen will, 1000 Franken in die Zunftkasse einbezahlen. Im Gegenzug erhält er einen Rebstock mit seinem Namen und jedes Jahr eine Flasche Wein mit einer persönlichen Etikette. Die Erträge der Heida-Zunft-Reben werden durch die St. Jodern Kellerei gekeltert. Heute ist die Heidazunft Besitzerin von rund 1500 Quadratmeter Rebfläche und zählt 250 Mitglieder.

lifetimedesign.ch: Was für Leute machen bei der Heidazunft mit?

Markus Burgener: Es sind vor allem Leute, die Spass am Wein haben. Die Heida-Zunft hat Mitglieder aus der ganzen Schweiz, Junge, Alte, Männer, Frauen – und sogar zwei Priester. Jedes Mitglied muss einmal im Jahr im Rebberg arbeiten. Sonst gibt es eine Busse von 100 Franken.

lifetimedesign.ch: Jetzt stellt ja die St. Jodern Kellerei nicht nur Weissweine her, sondern auch Rotweine…

Markus Burgener: Wir sind stolz darauf, dass in der Weinbauregion Visperterminen insgesamt ca. 10 Rebsorten vertreten sind, mit denen wir an die 20 Weine kreieren. Vor allem in den tieferen Lagen des «Rieben» trifft man die roten Rebensorten Pinot Noir und Gamay an und freuen uns sehr darüber, dass wir auch für unsere Rotweine regelmässig Preise erhalten: So wurde an der Vinalies Paris (International) der Syrah Barrique – 2015 und der Assemblage Visperterminen 2015 mit Gold ausgezeichnet sowie der Pinot Noir Barrique – 2015 mit Silber. Der Pinot Noir Barrique 2015 wurde ebenfalls an der Expovina mit Silber ausgezeichnet und am Gran Prix du Vins Suisse sogar mit Gold.

lifetimedesign.ch: Markus Burgener – die St. Jodern Kellerei zählt zu den 100 besten Schweizer Winzer gemäss GaultMillau 2018. Wie erfolgt bei Ihnen als Genossenschaftskellerei mit über 500 Winzern die Qualitätskontrolle?

Markus Burgener: Hohe Qualität steht bei der St. Jodern Kellerei über allem. Als Genossenschaft machen wir strenge Qualitätsvorgaben und setzen sie zu Gunsten des gemeinsamen Erfolgs eisern durch. Unsere Genossenschafter unterstützen wir mit Rat und zur Kontrolle sind wir auch als Unterstützer regelmässig in den Weinbergen unterwegs.

Beste Lagen, das Wissen um das Weinmachen und das Bekenntnis zu Spitzenleistungen sind das eine. Aber was wäre das alles ohne die Leidenschaft, mit der jeder einzelne Winzer in unzähligen Stunden, in harter körperlicher Anstrengung den Weinberg bearbeitet. Diese Leidenschaft ist letztlich das Geheimnis unserer Spitzenprodukte.

lifetimedesign.ch: Wir bedanken uns für das spannende Gespräch!

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Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig