digit!mmo.16

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Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter: Mit der Digitalisierung verändert sich nicht nur die Wirtschaft, sondern es erneuern sich generell alle Bereiche unseres Lebens. Verlage, Musikindustrie, Tourismus und Banken haben bereits einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Die bevorstehenden Entwicklungen  in der Immobilienbranche war Thema der digit!mmo16, die am Mittwoch, 13. Januar 2016 am GDI in Rüschlikon stattgefunden hat.

In den letzten Monaten hat das Thema Digitalisierung so richtig an Fahrt gewonnen. Das Timing der Digit!mmo.16 ist jedenfalls perfekt und gespannt mache ich mich auf den Weg ins GDI nach Kilchberg! Mit dem «Internet of things», d.h. der Vernetzung von fast allem und jedem über das Internet, stellt die Digitalisierung vieles auf den Kopf. Es scheint, als hätte der Zukunftsforscher Roy Amara mit seiner Aussage, dass wir dazu neigen würden, die kurzfristigen Auswirkungen einer neuen Technologie zu überschätzen und die langfristigen zu unterschätzen, wieder einmal mehr Recht gehabt.

Wenn es auch immer wieder bahnbrechende Erfindungen wie ein 3D-Drucker für Villen aus China in die Schlagzeilen schaffen, ist es schlussendlich die Konsequenz entscheidend, mit welcher die Immobilienbranche die Digitalisierung zu Nutze ziehen wird, um das Herkömmliche besser zu machen. «Wenn wir diesen Prozess richtig gestalten, gewinnen wir», so das Fazit von GDI-Trendforscher David Bossart. Konstanze Kossack, Senior Innovation Strategist von Futurcandy und ebenfalls Trendforscherin, zeigt in ihrem Referat auf, dass Innovationen vor allem sehr lebensnah sein müssen, damit sie einschlagen. Gute Chancen am Markt räumt sie den Innovationen ein, die dem Kunden zusätzlichen einen messbaren Nutzen bieten, wie beispielsweise die «Virtual-Reality-Tours». Diese führen mit 3-D-Brillen durch neue Liegenschaften und haben das Potenzial bei Maklern, aber auch bei Shoppingcentern die Geschäftsmodelle umzukrempeln.

«Dazu braucht es junge Menschen, die den Mut haben, die Welt zu verändern«, so David Bossart. Und geradezu spürbar ist dieser Tatendrang an der DigitImmo.16 bei den Vertretern der Start-ups, die im Speed-Pitching ihre Geschäftsidee möglichst schnell und präzise auf den Punkt bringen. Beispielsweise mit Virtual Reality Touren beschäftigt sich ReWaVe, ein Start-up, das sich mit dem Begehen von digitalen Modellen beliebiger Grössen mittels virtueller Realität beschäftigt.

Es war denn auch diese gelungene Verbindung aus Trendforschungs-Referaten und Start-ups, die an der Digit!mmo.16 eindrücklich aufzeigten, mit welcher Dynamik der digitale Transformationsprozess in der Immobilienbranche bereits am laufen ist.

Durch Internet und Mobile haben sich die Erwartungen der Kunden stark verändert. «Dienstleistungen müssten sofort verfügbar sein«, so Bramwell Kaltenrieder, Managing Partner bei Crosswalks AG. Das wirkt sich in der Branche auf Planung, Bau, Verwaltung und Facility Management aus.

«Digital reife Unternehmen erzielen schon heute zehn Prozent mehr Umsatz und 30 Prozent mehr Gewinn», analysiert Bramwell Kaltenrieder und sieht die Daten als Schlüsselressourcen, die ein Immobilienunternehmen nicht aus der Hand geben sollte.

«Wer die Daten hat, hat die Macht, nicht wer die Immobilien hat», mahnt auch Kurt Ritz, verantwortlich für den Immobilienbereich bei PwC Schweiz. Bereits ab 2025 werden 50 Prozent der Weltbevölkerung sogenannt «Digital Natives» sein. Die voll digitalisierte Welt liegt schon viel näher, als wir uns das heute noch vorstellen können. «Das schürt Ängste», so David Bossart. «Die Angst vor Überwachung und Kontrolle wird der Preis sein, den wir für den Fortschritt bezahlen werden.» Kurt Ritz zeigt in seinem Referat weiter auf, dass zukünftig alle Branchen nach dem gleichen Prinzip arbeiten werden: Social, Mobile, Analytics, Cloud and Things, dem sogenannten SMACT-Prinzip.

Für Udo-Ernst Haner, Leiter CT Information Work Innovation des Fraunhofer IAO, sind die Fragen im Immobilienbereich immer noch die selben wie vor 20 Jahren, nur müssen heute die Antworten anders lauten. Auch er ist der Überzeugung, dass zukünftig in Immobilien mit Daten mehr Geld zu verdienen ist, als mit den Immobilien selbst. Für ihn ist jedoch noch offen, wer das Geschäft machen wird, die Konsumgüterindustrie oder die Immobilienbranche. Und für Oliver Hofmann, CEO der Wincasa AG, ist noch offen, wem eigentlich die Daten, die in einer Immobilie gesammelt werden, gehören.

Ronald Schlegel von der ZHAW betont die Wichtigkeit einer engen Zusammenarbeit von Investoren und Betreibern – auch in Bezug auf die Daten und richtet diesbezüglich seinen Blick auf die Schweizer Initiative «Bauen digital». «Wer ist im Lead?» Diese Frage stellt sich auch David Bossart, vor allem auch in Bezug auf die Entwicklungen rund um das Smart Home und sieht die Notwendigkeit offener dezentraler Systeme.

Die Digitalisierung ist auch in der Immobilienbranche ein Transformationsprozess, der immer wieder neue Phasen erreicht und sich dynamisch weiterentwickelt. Veranstaltungen wie Digit!mmo schaffen eine noch breitere Akzeptanz des Themas und helfen mit, dass das Thema hoffentlich bald auf die strategische Agenda aller Akteure kommt.

www.digit-immo.ch

Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig