Faszination Swiss E-Prix im Poggenpohl Küchenstudio Luzern

Roman Unternährer, Moderationsleiter Radio Pilatus im Gespräch mit Pascal Derron, CEO der Swiss E-Prix Operations AG und Initiator des Swiss E-Prix, und Motorsportexperte Nick Heidfeld, ehemaliger Formel-1 und Formel-E-Pilot anlässlich des Neujahrs-Lunchs vom 29. Januar im Poggenpohl Küchenstudio Luzern.

Nachhaltigkeit, die Entwicklung von neuen Technologien für Elektroautos und die Bekämpfung des Klimawandels – die ABB FIA Formel-E geht erfolgreich neue Wege. Sie hat das Potenzial, bereits in naher Zukunft die Formel-1 als beliebteste Motorsport-Rennserie abzulösen. Pascal Derron, CEO der Swiss E-Prix Operations AG, und Initiator des Swiss E-Prix hat mit dem Julius Bär Swiss E-Prix die Formel E 2018 erfolgreich in die Schweiz gebracht. Am 22. Juni 2019 organisiert er bereits die zweite Durchführung, die neu in Bern stattfinden wird. Zusammen mit dem Motorsportexperte Nick Heidfeld vermittelte er den Gästen im Poggenpohl Studio Luzern die Faszination des Swiss E-Prix. Interviewt wurden sie von Roman Unternährer, Leiter Moderation Radio Pilatus.

Roman Unternährer: Pascal Derron, man weiss von Ihnen, dass Sie weder ein grosser Motorsportfan sind, noch ein eigenes Auto besitzen. Sind Sie nicht der falsche Mann für dieses Event?

Pascal Derron: Nein, überhaupt nicht. Wir reden hier von einer Veranstaltung, die unheimlich spannend und modern ist. Wenn wir das Publikum des Swiss E-Prix analysieren, dann sind das nur ca. 20 % Motorsportfans. 80 % der Besucherinnen und Besucher sind Menschen wie du und ich. Das hat ein Research ergeben, den wir anlässlich der ersten Durchführung in Zürich gemacht hatten.

Roman Unternährer: Sind Sie Sportveranstalter oder in erster Linie Unternehmer?

Pascal Derron: Ich glaube, es gehört beides dazu. Es braucht einen Eventveranstalter. Der Swiss E-Prix ist ein Festival der Mobilität und nicht einfach eine Sportveranstaltung. Mit Sport alleine kommt man heute nicht mehr weit. Ich denke, es muss einen tieferen Sinn geben und den hat der Swiss E-Prix definitiv. Unser Ziel ist es, die Elektromobilität zu fördern. Der Swiss E-Prix ist in dem Sinne nicht mehr eine klassische Sportveranstaltung.

Roman Unternährer: Nick Heidfeld, was ist der grosse Unterschied zwischen der Formel-1 und der Formel-E, jetzt mal abgesehen von der Technik und von der Art des Motors?

Nick Heidfeld: Es ist offensichtlich, dass die Formel-1 zumindest heutzutage noch deutlich schneller ist als die Formel-E und dementsprechend mehr «Grip» hat. Aber für die Fahrer selbst ist die Formel-E genau so anspruchsvoll und das aufgrund der Tatsache, dass die Rennstrecken deutlich schwieriger sind. Es gibt keine Auslaufzonen. Wir haben entweder Mauern oder Leitplanken und fahren da dann doch mit relativ hoher Geschwindigkeit hindurch. Das ganze Event findet nur an einem Tag statt, was eine grosse Herausforderung ist, nicht nur für die einzelnen Fahrer, sondern für die gesamten Teams.

Roman Unternäherer: Wenn man Ihnen im Jahr 2000 gesagt hätte, dass Sie später einmal mit Elektroautos durch Städte hindurchfahren, was hätten Sie dann geantwortet?

Nick Heidfeld: Damals war das noch überhaupt kein Thema. Wenn ich noch weiter zurückdenke an meine Anfänge im Kartsport, damals hatte man noch nicht über die Zukunft und die ganze Ökologie nachgedacht, wie das heute bei den Jugendlichen der Fall ist. Das sieht man auch an den Rennveranstaltungen. Wir haben deutlich mehr «Nicht-Hardcore»-Rennsportfans bei den Formel-E-Veranstaltungen dabei und gerade die Jugend schaut viel mehr auf die Formel-E.
Dementsprechend hätte ich nie damit gerechnet. Ich finde es aber schön, in der Phase meiner Karriere, in der ich bin, noch Formel-E gefahren zu sein. Ich konnte das, was ich liebe, mit etwas ökologisch Sinnvollem verknüpfen.

Roman Unternährer: Noch zum Einordnen: Nick Heidfeld, Sie waren bis letzten Sommer als Formel-E-Pilot tätig und engagieren sich heute als Berater und Markenbotschafter vom Team Mahindra (Mahindra Racing). Wie muss man sich das vorstellen?

Nick Heidfeld: Ich war von Anfang an bei der Formel-E dabei. Seit der zweiten Saison bin ich bei Mahindra. Ich war als Fahrer aktiv, hatte aber von Anfang an die Rolle gehabt, das Team und den Teamchef, der noch neu im Motorsport war, zu unterstützen, weil ich einfach über viele Jahre Erfahrung im Rennsport verfüge. Diese Funktion habe ich immer noch inne, heute einfach nicht mehr als aktiver Fahrer. Die Beratungstätigkeit ist nicht nur auf das Coaching der Piloten beschränkt, sondern beinhaltet auch die Rennstrategie sowie die mittel- und langfristige Teamstrategie.

Roman Unternährer: Pascal Derron, wir haben vorhin gesagt, dass der Swiss E-Prix ein Festival der E-Mobilität ist. Welche Impulse gibt es denn von einer solchen Veranstaltung?

Pascal Derron: Unser Anlass beinhaltet sowohl ein Nachhaltigkeitselement, ein Technikelement und ein Innovationselement. Auf dieser Basis suchen und finden wir unsere Partner. Auch in Bern kann die Besucherin oder der Besucher in der Altstadt mehr zum Thema Klimaproblematik erfahren. Wir zeigen verschiedene Aspekte des CO2-Verbrauchs auf bis hin zur Forschung und bis hin zur Anwendung. Ganz klar: Das Rennen ist ein Highlight, es ist technisch sehr interessant und an dem wird der Swiss E-Prix aufgehängt.

Roman Unternährer: Die Zuschauerinnen und Zuschauer bezahlen keinen Eintritt auf den normalen Plätzen…

Pascal Derron: Ja, das ist richtig. Das Rennen kann gratis besucht werden. Klar wird es limitiert sein in der Anzahl Plätze, aber der freie Zutritt ist uns wichtig. Weiter gibt es Tickets für Tribünenplätze im Vorverkauf. Die werden jedoch auch in Bern schnell weg sein. In Zürich waren wir in drei Minuten ausverkauft.

Daneben gibt es noch einen VIP-Bereich, der für unser Geschäftsmodell sehr wichtig ist. Hier treffen sich nicht nur Prominente, sondern auch Menschen aus Wirtschaft und Politik.

Roman Unternährer: Sie haben die Lizenz, um diese Rennen in der Schweiz während neun Jahren zu veranstalten. Sind sie sich sehr sicher, dass dieses Modell über Jahre funktionieren wird?

Pascal Derron: Nein, ich glaube man ist sich nie sicher als Unternehmer. Aber wir hatten den Kauf der Lizenz sehr gut evaluiert und decken die Risiken ab, so dass es vertretbar ist. Ein solches Rennen muss minimal vier, fünf Jahre funktionieren, bis man sagen kann, es hat sich etabliert und mit neun Jahren sind wir gut abgedeckt.

Roman Unternährer: Nick Heidfeld, ich habe gelesen, dass in der Formel-E alles ein bisschen anders wäre. Ist der Umgang auch freundschaftlicher?

Nick Heidfeld: Das ist tatsächlich so. Die Stimmung ist eine ganz andere als in der Formel-1. Das ist ein Aspekt, den man auf der ganzen Welt beobachten kann. Sobald mehr Geld im Spiel ist, wird es auch extremer. Was in der Formel-E dazu kommt oder dazu kam, ist die Tatsache, dass alle dazu beitragen wollen, dass sie erfolgreich wird. Die Formel-1 ist schon ein grosser Kuchen und alle wollen ein Stück davon.

 

Roman Unternährer: Das nächste Swiss-E-Prix Rennen findet am 22. Juni in Bern statt. Pascal Derron, haben die Zürcher schon genug?

Pascal Derron: Nein, im Gegenteil. Wir sind am Planen auch für Zürich. Aber eine solche Veranstaltung hat einen grossen Einfluss auf eine Stadt. Deshalb sind wir zum Schluss gekommen, dass der E-Prix nicht jedes Jahr in Zürich durchgeführt werden kann und vor allem nicht in Kombination mit dem Zürifäscht, das diesen Sommer durchgeführt wird. Deswegen findet der Swiss E-Prix dieses Jahr in Bern statt.

Roman Unternährer: In Bern führt die Strecke am Bärengraben vorbei, am Rosengarten… Kann man sie als sehr anspruchsvoll klassifizieren, auch wegen des Höhenunterschieds?

Pascal Derron: Nein, die Strecke ist geil. Es geht bergauf, es geht bergab. Es gibt eigentlich kein einziges gerades Stück auf dieser Strecke. Das muss man schon sehen. Diese Strecke wird extrem schwierig werden zum Fahren, es wird sehr interessant für die Zuschauer. Ob die Batterien halten, werden wir sehen, auch weil es soviel bergauf und bergab geht.

Nick Heidfeld: Es ist tatsächlich so. Wenn man die Strecken weltweit vergleicht, wird es immer spannend, wenn sie nicht auf dem Reissbrett geplant worden sind, sondern wenn es irgendwo schon gewisse Begebenheiten hat und ganz augenscheinlich auch, wenn es bergauf und bergab geht. Das macht es spannender – für die Fahrer definitiv.

Roman Unternährer: Was ist wichtig für die Fahrer bei einer solchen Strecke?

Nick Heidfeld: Die Schwierigkeit in der Formel-E besteht darin, dass man nicht soviel Trainingszeit hat wie in der Formel-1, wo man die Strecken entweder schon vom Vorjahr kennt oder vom Testen. Das ist in der Formel-E anders: Es gibt keine Testläufe und oft ändern die Strecken von Jahr zu Jahr und die Events finden halt an einem Tag statt. Man hat vor dem Qualifying lediglich ein freies Training von eineinviertel Stunden.

Roman Unternährer: Sie haben noch fünf Monate Zeit, bis zum Swiss E-Prix in Bern. Das tönt nach viel Zeit Pascal Derron, aber ich nehme an der Terminkalender ist voll und der Stressfaktor wird von Woche zu Woche zunehmen…

Pascal Derron: Ja, auf alle Fälle. Wir sind momentan ein starkes Kernteam von ca. zehn Personen und werden bis zur Veranstaltung auf ein Team von gegen 3000 Leuten anwachsen. Aber wir sind besser aufgestellt als im Vorjahr, als wir in der Kernbesetzung nur zu zweit waren. Ein weiteres Plus: wir bringen auch die Erfahrung aus dem letzten Jahr mit ein.

Roman Unternährer: Welcher Aspekt ist der Zeitintensivste? Die Sicherheit? Oder was nimmt Sie am meisten in Anspruch mit einem neuen Standort wie Bern?

Pascal Derron: Es ist nicht unbedingt das Technische, dazu hat man ein gutes Team. Ich glaube das Wichtigste ist, die Dinge, die man verspricht, auch einzuhalten. Hohe Priorität hat auch das Event-Erlebnis. Für eine erfolgreiche Durchführung müssen weiter die Anwohnerinnen und Anwohner richtig einbezogen werden. Es gibt immer Gegner geben und deshalb ist es wichtig dass man diese Zielgruppe frühzeitig einbindet.

Roman Unternährer: Für die Anwohner, die auf der Strecke Bärengraben /Rosengarten wohnen, bringt diese Veranstaltung einige Einschränkungen mit sich. Es ist bestimmt eine richtige Herausforderung, dass der Zugang in den paar Tagen vor und nach dem Event gewährleistet werden kann?

Pascal Derron: Ja, richtig. Das ist so. Deshalb nehmen wir die Anwohner jeweils mit ins Boot. Wir hatten das auch in Zürich so gemacht und die Anwohner eingeladen, sich die Boxengassen anzuschauen. Wir wussten, dass viele Leute kommen würden und es kamen schlussendlich 1500 Personen. Der Anlass war sehr familiär und das hatten die Leute auch sehr genossen.

Roman Unternährer: Wenn man einen solchen Event organisiert, braucht man nicht nur das technische Know-how, sondern auch sehr viel politisches Geschick. In Zürich hat das geklappt, in Bern auch. Das braucht ebenfalls sehr viel Diplomatie…

Pascal Derron: Ich weiss nicht einmal, ob es soviel Diplomatie braucht. Man muss einfach ehrlich die Fakten auf den Tisch legen. Es sind drei Elemente, die wichtig sind. um eine solche Veranstaltung zum Erfolg zu führen: Die Politik. die rechtliche Situation, d.h. die Rechte zu erhalten, und die Finanzen. Keiner dieser Faktoren funktioniert für sich alleine. Man erhält keine Bewilligung ohne Finanzen und ohne Bewilligung keine Finanzen. Das Ganze muss aufgegleist und gleichzeitig hochgefahren werden und dazu braucht man Menschen, die an einem glauben. Bern wird besser als Zürich und darauf freue ich mich.

Roman Unternährer: Heisst das für Sie auch: Stake Holder Management ist kein Begriff aus dem Lehrbuch, sondern etwas das man jeden Tag lebt…

Pascal Derron: Das ist so. Der Swiss E-Prix ist keine One-Man-Show. Man braucht ein starkes Team im Hintergrund und sehr viele Menschen, die einem an allen Fronten unterstützen wie beispielsweise Nick Heidfeld. Das ist sehr wichtig.

Roman Unternährer: Nick Heidfeld, wird eines Tages der Tag kommen, wo alle am Sonntagnachmittag Formel-E schauen?

Nick Heidfeld: Bis vor ein paar Jahren, wenn ich danach gefragt wurde – diese Frage kommt regelmässig – hätte ich Nein gesagt. Aber ich kann es mir mittlerweile sehr gut vorstellen. Immer mehr Hersteller engagieren sich in der Formel-E. In naher Zukunft sind alle Premium-Marken in der Formel-E vertreten, zumindest alle Deutschen mit BMW, Porsche und Audi. Sie kommen mit ihren Elektro-Strassenfahrzeugen auf den Markt und haben dementsprechend ein grosses Interesse an der Formel-E.

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Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig