Flexible Arbeitsplatzmodelle im Trend: Status-quo und Auswirkungen auf die Immobilienbranche

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Home-Office – so lautet das Gebot der Stunde. Als Antwort auf eine immer mobiler werdende Gesellschaft und zur Entlastung von Strassen und Schienen wird Home-Office zu einem Thema, mit dem sich Unternehmen vermehrt auseinandersetzen müssen. Wie lautet der Status Quo in der Schweiz? Wie beeinflusst dieser Trend die Art und Weise wie Unternehmen und Projekte geführt werden und welchen Einfluss hat das Thema auf die Immobilienbranche? Wir haben uns darüber mit Olivier Collombin unterhalten – Gründer von Work Cocoon. Nach einer Karriere im Bereich Private Banking bietet er zusammen mit Work Cocoon Lösungen für die optimale Einführung von flexiblen Arbeitsplatzmodellen an.

lifetimedesign.ch: Olivier Collombin, das Home-Office kann heutzutage als soziales Phänomen bezeichnet werden. Weltweit betätigen sich immer mehr Menschen im Home-Office. Wie präsentiert sich die Situation in der Schweiz?

Olivier Collombin: Wir haben zwar keine offiziellen Zahlen, aber ich stelle immer wieder fest, dass sich vor allem Kleinunternehmen im Rahmen der heutigen Möglichkeiten oftmals spontan fürs Home-Office entscheiden. Sie sind strukturell flexibel und profitieren von ihrer Anpassungsfähigkeit. Global betrachtet ist der Einfluss dieser Entwicklung noch relativ schwach.

Grossunternehmen verfügen über die notwenigen Ressourcen, um in Arbeitsgruppen die Relevanz dieser Entwicklung für ihr Unternehmen zu bewerten und Voraussagen bezüglich der Auswirkungen und die Rentabilität zu machen.

Die KMU’s, die in der Schweiz 95 % der Erwerbstätigen beschäftigen, haben keine Kapazitäten, um sich systematisch mit den Auswirkungen von Home-Office auf ihr Unternehmen auseinanderzusetzen. Ihre Prioritäten sind primär kommerziell geprägt.

In der Schweiz haben Lösungen zur Integration von Home-Office aus finanziellen und psychologischen Gründen noch nicht richtig Fuss gefasst, aber die Unternehmen arbeiten daran, oftmals auch aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit und der Lebensqualität. Zusammengefasst würde ich behaupten, dass vor allem Unternehmen zwischen 20 und 500 Mitarbeitenden durch die Möglichkeiten des Home-Office noch über grosse Entwicklungspotenziale verfügen.

lifetimedesign.ch: Auf was muss ein Unternehmen, das Telearbeit einfügen möchte, besonders achten?

Olivier Collombin: Die Chancen des Erfolgs von Home-Office liegen in der schrittweisen Einführung, bei der die Entwicklung periodisch überprüft und analysiert wird. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wenn die gesamte Belegschaft neu anstelle von fünf vier Tage im Büro verbringt und einen Tag im Bereich Home Office, dann hat das einen unmittelbaren Einfluss auf die Infrastruktur.

Home Office bedingt, dass Unternehmen den Mitarbeitenden die notwendigen technologischen oder digitalen Werkzeuge fürs Home-Office zur Verfügung stellen müssen, wie beispielsweise eine Task-Management-Software oder moderne Telekonferenz-Lösungen.

Zudem müssen Unternehmen auch die Erwartungen der neuen Generation berücksichtigen. Um Talente der sogenannten Generation Y zu gewinnen, bedarf es Verständnis für ihren Lebensstil, ihre Bedürfnisse und ihre Motivation. Um diese Mitarbeitenden zu gewinnen und zu halten, benötigen Unternehmen entsprechende Strategien. Diese Generation ist unabhängig, sehr mobil, freiheitsliebend und gewohnt mit den digitalen Hilfsmittel zu arbeiten. Sie befinden sich ständig in Bewegung und Home-Office entspricht ihrem Lebensstil.

lifetimedesign.ch: Erwerbstätige aus der Schweiz zeichnen sich durch eine gewisse konservative Haltung gegenüber der Arbeit aus. Wie wollen diese Wertehaltung verändern?

Olivier Collombin: Gerne gebe ich Ihnen ein persönliches Beispiel. Seit ich selbstständig bin, weigere ich mich, mich während den Stosszeiten – sei es mit öffentlichen oder privaten Verkehrsmittel – fortzubewegen. Für mich ist die Überlastung der Verkehrssysteme Ausdruck einer Entwicklung, die nicht in die richtige Richtung geht.

 

Viele Menschen, mit denen ich spreche oder die ich beobachte, sind unzufrieden über ihren Arbeitsweg. Dabei müssen wir uns doch eingestehen, dass Arbeit nicht ein Ort, sondern eine Tätigkeit ist. Die Frage ist: Müssen wir fünf Tage in der Woche an den selben Ort gehen, um unseren Job gut zu machen?

Es ist nicht meine Absicht, Unternehmen von den Vorteilen von Home-Office zu überzeugen oder einen Schock zu erzeugen. Ich konzentriere mich in meiner Arbeit auf diejenigen Unternehmen, die Telearbeit in Betracht ziehen, jedoch nicht wissen, wie sie dieses heikle Thema in Angriff nehmen sollten.

lifetimedesign.ch: In der Politik wird in der Diskussion über das Thema Mobilität schwergewichtig über den weiteren Ausbau von Strassen und Schienennetz gesprochen. Home-Office spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Mit welchen Mitteln präsentieren Sie Ihre Vision?

Olivier Collombin: Ich bin überzeugt, dass man mit einfachen Massnahmen die negativen Auswirkungen der Mobilität auf die Infrastruktur abschwächen könnte. Heute plädiert die Politik für den Ausbau von Strassen und Schienennetz durch eine wachsende Zahl an Zusatzleistungen und hohe Budgets. Selbstverständlich steht eine dynamische Entwicklung der Wirtschaft im Vordergrund, aber ich bin für mehr gesunden Menschenverstand. Gut vorbereitet und durchdacht ist Telearbeit eine intelligente Lösung.

lifetimedesign.ch: Welche Auswirkungen hat Telearbeiten auf die Immobilienbranche?

Olivier Collombin: Ich denke, dass in Zukunft Bauwerke unterschiedlich reflektiert werden. Immobilienentwickler werden Arbeitsbereiche noch besser in Wohnräume integrieren. Darüber hinaus werden Bauten als Coworking Spaces neu genutzt. Diese Arbeitsform ermöglicht es, verschiedene Aktivitäten in einem Raum unterzubringen. Den Coworking Spaces wird allgemein ein positiver Einfluss auf die Produktivität attestiert.

Die Multiplikation von Workspaces im Umkreis der Grossstädte wird dazu beitragen, dass Geschäftsimmobilien neu belebt werden. Ältere Mittelklasse-Hotels oder Pensionen können ebenfalls einer Nutzung als Workspaces zugeführt werden.

lifetimedesign.ch: Welches sind Ihre nächsten Herausforderungen?

Olivier Collombin: Ich möchte Politikern konkrete Beispiele von Unternehmen präsentieren, denen der Home-Office-Ansatz nicht nur positive Ergebnisse gebracht hat, sondern mit dem auch das Wohlergehen der Mitarbeitenden gesteigert werden konnte.

Je mehr Unternehmen flexible Arbeitsplatzmodelle einführen, je öfter neue digitale Werkzeuge auf den Markt gebracht werden und zusätzlich neue gemeinsame Arbeitsplätze in der Umgebung der Städte errichtet werden, desto mehr kann die Belastung des Strassen- und Schienennetz reduziert werden. Diese Reduktion wird einige Zeit in Anspruch nehmen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir durch den vermehrten Einsatz von Home Office einen Unterschied machen können.

Mehr Infos: www.workcocoon.ch 

Mélina Neuhaus
Mélina Neuhaus

Co-fondatrice et directrice de communication/relations publiques Elitia Communication