Home staging: Wie man Immobilien mit ihren zukünftigen Bewohnern verkuppelt

Ein kurzes Facelifting für die Immobilie vor dem Verkauf? Was oberflächlich betrachtet nach einem optischen Eingriff tönt, verbessert nachweislich das Erfolgspotenzial von Eigentümern, Maklern und Bauträgern und ist ein wirtschaftlicher Wachstumsfaktor in der Immobilienwirtschaft: Home Staging.

Home Staging ist die professionelle Präsentation von Immobilien nach verkaufspsychologischen Kriterien mit dem Ziel einer schnellen Vermarktung zum bestmöglichen Preis. Home Staging kommt bei Musterwohnungen, beim Verkauf von Immobilien, aber auch bei Mietobjekten zum Einsatz. Zum «Aufbrezeln» einer Immobilie wird gezielt mit Mobiliar, Farbe, Licht, Wand- und der Fussbodengestaltung gearbeitet.

Unterstützung des Vorstellungsvermögens

Home Staging kommt ursprünglich aus den USA und wird dort seit den 1970er-Jahren eingesetzt. Seit den 1990er-Jahren hat sich Home Staging als eigentlicher Beruf für Designer und Innenarchitekten etabliert. Heute ist Home Staging in vielen Ländern Teil des Verkaufsprozesses. In England wird die Tätigkeit auch «property presentation» und property staging genannt und in Skandinavien werden gegen 80 Prozent aller Immobilien mit der Unterstützung durch Home Staging verkauft, denn Studien zeigen, dass sich die meisten potenziellen Käufer nicht vorstellen können, wie das Objekt später einmal möbliert aussehen wird.

Home Staging beschleunigt den Verkauf und trägt im Idealfall dazu bei, dass die Preisvorstellungen der Verkäufer mindestens erreicht oder sogar übertroffen werden. Dies geht aus einer Statistik hervor, die von der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V. (DGHR) erhoben wurde.

Verkauf innerhalb von maximal vier Wochen

Untersucht wurden von der DGHR verschiedene Aspekte der Immobilien-Vermarktung mit Home Staging als Marketingmassnahme in über 500 Immobilien-Transaktionen. Demnach wird Home Staging als gängige Verkaufsvorbereitung zwar meistens bereits vor dem ersten Marktauftritt einer Immobilie angewandt, in 39 Prozent der Fälle jedoch erst, nachdem eine Immobilie längere Zeit erfolglos angeboten wurde – in 60 Prozent dieser Fälle für sechs Monate oder mehr.

Professionell aufbereitet, werden zwei Drittel der Immobilien innerhalb von maximal vier Wochen verkauft, davon gut 15 Prozent bereits nach der ersten Besichtigung. In 65 Prozent der Fälle wurde der Angebotspreis genau erzielt oder sogar übertroffen.

In Amerika zeigen die Statistiken, dass Immobilien mit Home Staging 88 Prozent schneller verkauft werden und 20 Prozent höhere Verkaufserlöse erzielen als ihre nicht aufgepeppten Pendants.

Iris Houghton, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V. (DGHR) zu diesen Zahlen: «Home Staging ist ein wirtschaftlicher Wachstumsfaktor in der Immobilien- wirtschaft und verbessert das Erfolgspotenzial von privaten Hausverkäufern, Maklern und Bauträgern. Mit den regelmässig erhobenen Leistungsdaten wollen wir den ökonomischen Nutzen unserer Profession bei Kunden und Marktpartnern noch stärker ins Bewusstsein bringen». Die Deutsche Gesellschaft für Home Staging und Redesign e.V. (DGHR) ist der Berufsverband der Home Stager und Redesigner in Deutschland. 2. In der Schweiz vertritt der HSVS (Home Staging Verband Schweiz) die Interessen der Mitglieder. Sowohl die Mitglieder des Deutschen wie des Schweizer Verbands sind definierten Qualitätsstandards sowie einem Ehrenkodex verpflichtet.

Investition von 2 Prozent des Verkaufpreises

Bereits kleine Veränderungen wie schöne Handtücher und eine Blumenvase im Bad können die Attraktivität eines Raumes enorm steigern. Auch Wände streichen oder Parkett verlegen kann das Angebot eines Home Stagers beinhalten. In der Regel investieren Eigentümer 2 Prozent des Verkaufspreises ins Home Staging. Der Einrichtungsstil richtet sich nach der angestrebten Zielgruppe. Soll die Immobilie an eine Familie verkauft werden, möbliert der Home Stager mindestens ein Kinderzimmer und achtet bei der Möbelauswahl darauf, dass sie praktisch und nicht zu teuer sind. Ist das Appartement dagegen für ein gut verdienendes Pärchen bestimmt, darf es auch schon mal der Designerstuhl im Arbeitszimmer sein. Die Einrichtungsgegenstände für die Häuser oder Wohnungen stammen normalerweise aus dem eigenen Fundus des Home Stagers. Aber auch die Pflege der Terrasse und des Gartens gehört zum Aufgabengebiet eines Home Stagers.

Die Frage, wann der Support eines Home Stagers sinnvoll ist, kann nur im Einzelfall beantwortet werden. Eine optimale Präsentation einer Liegenschaft senkt das Risiko eines langen Leerstands und trägt auch dazu bei, den erwünschten Kauf- bzw. Mietpreis zu erzielen.

So wie die Anzeichen stehen, scheint die über Jahre andauernde Phase der steigenden Wohneigentumspreise beendet und trotz den neuen Möglichkeiten in der Vermarkung von Immobilien mit Augmented und Virtual Reality zählt schlussendlich immer noch der erste Eindruck in der Immobilie selbst und hier wird der Home Stager auch in Zukunft sehr gefragt sein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir von dieser aufstrebenden Branche noch viel hören werden.

Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig