Sion 2026

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Am 10. Juni 2018 sprachen sich die Walliser gegen eine Kandidatur der Stadt Sion für die Organisation der Olympischen und Paralympischen Winterspiele im Jahr 2026 aus. Obwohl die Befürworter starke Bilder verwendet hatten. Beispielsweise: «Innovative Spiele, welche die Schweizerinnen und Schweizer zusammenführen…» Oder: «Eine Vorbildfunktion, was die Ausübung von Sport betrifft…» Und: «Das Schweizer Know-how nutzen, um einen magischen Moment und ein bleibendes Vermächtnis zu schaffen…» Sie vermochten nicht zu überzeugen. Die Olympia-Kandidatur wurde mit einem Nein-Stimmenanteil von 54% abgewiesen, bei einer aussergewöhnlich hohen Stimmbeteiligung von 62,5 %.

Einig waren sich alle: Die Winterolympiade im Wallis hätte einen positiven Einfluss auf die Regionalwirtschaft gehabt, insbesondere auf den Tourismus und den Immobiliensektor. Hat das Wallis demzufolge eine Chance verpasst oder ein erhebliches finanzielles Risiko vermieden? Dazu hat jeder seine eigene Antwort. Es ist jedoch ein geteiltes Wallis, das am Sonntag, den 10. Juni 2018, abgestimmt hat und in der Mehrheit den Argumenten der Gegner gefolgt ist.

Befürworter und Gegner: die Argumente

Die Argumente der Befürworter hatten sich hauptsächlich auf die Auswirkungen auf die Beschäftigung, die Risikogarantie des Bundes und die Nutzung der bestehenden Infrastruktur anstelle von Neubauten konzentriert. Die Befürworter hatten mit rund 6000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in sieben Jahren argumentiert. Sie hatten den Bundesbeitrag von gegen einer Milliarde Franken hervorgehoben, der die Volkswirtschaft des Kantons angekurbelt hätte. Was die Infrastruktur betraf, so wurde argumentiert, dass die bestehenden Bauten und Anlagen genutzt worden wären, wodurch sich das Risiko möglicher Schulden erheblich verringert hätte. Ebenfalls wurde auf die Auswirkungen auf den Tourismussektor hingewiesen. Im Kanton Wallis hätte Sion 2026 rund zwei Millionen Übernachtungen generiert.

Wir haben den Vizepräsident von Sion 2026, Frédéric Favre, zum Impact auf Volkswirtschaft und Tourismus befragt: «Allein in Verbindung mit den Spielen wären 6000 Arbeitsplätze kreiert worden. Im Organisationsbudget waren dafür CHF 260 Mio. Saläraufwand eingeplant. Die Positionierung des Wallis und generell die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz wären gestärkt worden und allein schon die indirekten Auswirkungen auf die Volkswirtschaft und den Tourismus wären bedeutend gewesen.» In Bezug auf die Auswirkungen auf den Immobiliensektor präzisierte er: «Ein solches Projekt hätte die Wirtschaft des gesamten Kantons angekurbelt und die Investitionen in die Renovation der Infrastruktur hätte dem Baugewerbe viel Arbeit gebracht.»
Auch Damian Constantin, Direktor von Walls Promotion hatte das Ergebnis mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen: «Wir bedauern das Resultat der Abstimmung, respektieren aber selbstverständlich diese demokratische Entscheidung. Aus unserer Sicht ist es eine verpasste Chance für das Wallis, als erster Standort dezentrale, zeitgemässe und nachhaltige olympische Winterspiele zu organisieren. Die Spiele wären ein einzigartiges Schaufenster für das Wallis, aber auch für die ganze Schweiz gewesen. Eine solche Kandidatur benötigt jedoch die Unterstützung der gesamten Bevölkerung. Nun ist es an der Zeit, in die Zukunft zu blicken: Im Kanton gibt es viele weitere Grossprojekte, wie beispielsweise die Bewerbung von Crans-Montana für die Skiweltmeisterschaft 2025 oder verschiedene Infrastrukturprojekte.»

Die Gegner arbeiteten mit dem kurzen Slogan «3 Wochen Feier, 30 Jahre Schulden». Ihre Argumentation konzentrierte sich nicht nur auf das finanzielle Risiko, sondern auch auf den Schutz des Naturerbes und der Umwelt. Was die Finanzierung betraf, behaupteten die Gegner, dass die Walliser Steuerzahler für das Defizit hätten aufkommen müssen. Der zweite Argumentationsstrang, nämlich die negativen Auswirkungen auf die Umwelt, konzentrierte sich auf den Veranstaltungstourismus mit Tausenden von Besucherinnen und Besuchern, das starke Verkehrsaufkommen, die neuen Unterkünfte und nicht zuletzt auf die Sicherheitsmassnahmen während der Veranstaltung. Die Spiele würden die Natur und die Landschaft schädigen, da einige Wettbewerbe in Schutzgebieten geplant waren, argumentieren sie.

In Namen der Gegner von Sion 2016 reagierte Jean-Marie Bornet, Co-Präsident der Rassemblement Citoyen Valais (RCV), nach den Ergebnissen vom 10. Juni 2018 wie folgt: «Die Walliserinnen und Walliser teilten unsere Auffassung bezüglich den Prioritäten des Kantons und der Gefahr des Schuldenrisikos für die Stadt Sitten und den Kanton. Es besteht ein Mangel an Vertrauen in das IOC und in die Tourismusorganisationen. Bevor wir Gastgeber der Olympischen Spiele werden, muss dieses Manko behoben werden. Die Zukunft des Tourismus im Wallis liegt in allen vier Jahreszeiten und ist nachhaltig. Es sind nicht die Olympischen Spiele, die den Tourismus im Wallis sinnvoll gefördert hätten. Jetzt müssen wir herausfinden, wie wir aus eigener Kraft unsere Tourismusprojekte entwickeln und beschleunigen können. Der Schlüssel liegt in der Kreativität und darin, dass die zukünftigen Projekte die Bevölkerung sinnvoll integrieren.»

Im Auftrag des WWF Wallis drückte er seine Genugtuung in einer Stellungnahme aus: «Wir freuen uns, dass sich das Walliser Stimmvolk gegen die Durchführung von Olympischen Spielen im Wallis entschieden hat. Die Zeit ist reif für eine Kehrtwende. Der Alpenraum braucht keine Grossveranstaltungen, sondern einen besseren Schutz und eine nachhaltige Entwicklung.»

Die Auswirkungen der Olympischen Winterspiele 2026 auf das Wallis, aber auch die gesamte Schweiz wären signifikant gewesen. Die volkswirtschaftlichen, touristischen und bauwirtschaftlichen Vorteile waren unbestritten, aber zu welchen Kosten? Das Walliser Volk entschied sich für finanzielle Sicherheit und zog es vor, das Projekt abzulehnen.

Bild: ©Thierry Sermier

Mélina Neuhaus
Mélina Neuhaus

Co-fondatrice et directrice de communication/relations publiques Elitia Communication