St. Jodern Kellerei: preisgekröntes Rendez-vous von Wein und Licht

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Ins beste Licht rückte sich die St. Jodern Kellerei in Visperterminen nicht nur mit dem Gewinn des Weltmeistertitels für den besten Weisswein 2014, sondern auch mit ihrem imposanten Erweiterungsbau. Die filigrane Fassade erinnert an einen Rebberg, der durch ein ausgeklügeltes Lichtkonzept in der Dämmerung weit ins Tal strahlt und in diesem Frühling mit dem renommierten Deutschen Lichtdesign-Preis 2017 ausgezeichnet wurde.

Generell haben Gebäude und Weine eines gemeinsam: Oft muss man erst ihre Geschichte kennen, um sie richtig wertschätzen zu können.

Wer von Visp steil in Richtung Visperterminen heraufkurvt oder noch besser wandert, wird sich dem Bann der einzigartigen Landschaft kaum entziehen können. Kilometerlange Trockenmauern prägen das Bild. Die Gemeinde Visperterminen im Mattertal besteht aus malerischen kleinen Weilern, das Gelände ist schroff. Wenn man vor den südorientierten Hanglagen steht, zweifelt man kaum daran, dass hier aussergewöhnliche Weine entstehen. Heida Visperterminen heisst der einzigartige Wein, der hier im höchstgelegenen Rebberg Europa auf bis 1150 m über Meer gedeiht. Das renommierte Weinmagazin Decanter zeichnete im Frühling 2014 denn auch den Heida Barrique 2012 der St. Jodern Kellerei mit der höchsten Punktzahl aus und verlieh ihm den Weltmeistertitel – etwas, das bisher noch keinem Schweizer Wein gelungen war. Notabene im Wettbewerb gegen 15’000 Weinproben aus der ganzen Welt.

Die St. Jodern Kellerei wurde Ende der Siebzigerjahre als Antwort auf die veränderten Rahmenbedingungen gegründet. Ein Glücksfall, der bald Erfolg brachte. Heute vereint die genossenschaftliche St. Jodern Kellerei über 500 Rebbauern, die 45 der 48 Hektaren Reben mit über 60 Rebarten bewirtschaften.

Mit der Kelterung von über 300’000 Liter Wein jährlich stiess das bestehende Gebäude an Kapazitätsgrenzen und so wurde für den Erweiterungsbau der Kellerei, die aus allen Nähten platzte, das Visper Architekturbüro BAUATELIER 12 engagiert. Ein Glücksfall für BAUATELIER 12 Geschäftsführer und Architekt Carlo Kreuzer, der aus Visperterminen stammt und auch Genossenschafter der Kellerei ist.

Effizientere Produktionsabläufe

«Weil Visperterminen so steil ist, mussten wir das Gebäude der St. Jodern Kellerei hangabwärts erweitern. Ein dreigeschossiger Anbau auf einer Hangschulter war unsere Lösung», so Carlo Kreuzer. «Unsere Inspiration für den Oberbau war ein Rebstock. Er steht auf einem grosszügigen Sockel und stemmt sich wie eine Trockenmauer gegen den Hang», beschreibt er seinen Entwurf. Bislang waren Produktion, Lager und Spedition auf einem Geschoss vereint. Mit dem Erweiterungsbau sind die Produktionsabläufe viel effizienter geworden. Im neuen Gebäude befinden sich Flaschenlager und das Herzstück des Neubaus, der Barriquekeller, übereinander. Das Treppenhaus bildet den Erschliessungstrakt zwischen Alt- und Neubau.

Eiche und Glas – ein Gestaltungskonzept ganz im Zeichen des Produkts

Glas in unterschiedlichen Formen prägt das gestalterische Konzept. Akzente wurden in Eichenholz gesetzt. Im sakral anmutenden Barrique-Keller ziehen die Eichenfässer alle Blicke auf sich. Sie lagern in einem vollklimatisierten Bereich und werden durch eine Glastrennwand von den Besucherinnen und Besuchern getrennt. Der Gästebereich in der Vorzone ist ganz auf den Einblick in den Barrique-Keller ausgerichtet. Dunkle Wände mit feinsten im Verputz eingearbeiteten Glassplittern und ein warmes Licht verleihen der Lounge und dem Gästebereich eine feierliche Aufenthaltsqualität.

 

Im ursprünglichen Barrique-Keller – dem Eichensaal– mit Blick auf den neuen Barrique-Keller, ist vom Parkett über das Wandtäfer bis zur Akustikdecke und den Möbeln alles aus Eiche. Im oberen Wandbereich sind 1500 Weinflaschen als Kunstwerk inszeniert und geben kaleidoskopartig den Blick auf das alte Bruchsteinmauerwerk frei. Sowohl im Vorraum des Barriquekellers als auch im Eichensaal werden Gästegruppen empfangen.

Die Kellerei im besten Licht

Das Beleuchtungskonzept ist einfach, aber prägnant. Speziell entwickelte Pendelleuchten erhellen das Gewölbe des Barrique-Kellers und des angrenzenden Loungebereichs und erinnern an edle Weinflaschen. Eine kleinere Version erzeugt als Wandleuchte eine dezente, warme Hinterleuchtung der Eichenfässer. Im neuen Eichensaal spielt das Kunstwerk aus über 1500 Weinflaschen mit dem Licht und schafft eine einmalige, erhabene Stimmung. Im Aussenbereich unterstreicht der schmale Schein kleinerer quadratischer Glaswürfel die Fassade und lässt sie bei Dämmerung bis weit ins Tal sichtbar erstrahlen. Für diese Glanzleistung durfte das Architekturbüro BAUATELIER12 aus Visp zusammen mit dem Zürcher Lichtplanungsbüro Reflexion den Deutschen Lichtdesign-Preises 2017 in der Kategorie Shopbeleuchtung entgegennehmen.

Mit dem Erweiterungsbau hat die St. Jodern Kellerei die Voraussetzung für die Nutzung der Gästebereiche als Eventlocation für Private, Firmen und Reisende geschaffen: Er bietet Gruppen im hauseigenen Laden sowie im Degustations- und Präsentationsbereich ein umfassendes Gesamterlebnis. Aber auch Touristen können sich öffentlichen Führungen anschliessend und so den optischen Eindruck des Tals durch Kostproben ergänzen.

Heidawein aus den Rebbergen in Visperterminen gehört zu den besten seiner Art. Auch wenn heute in der Ebene des Rhonetales ebenfalls gute Heidas produziert werden. Die gute Lage und einmalige Bodenbeschaffenheit der Rebberge in Visperterminen aber macht den Heida aus der St. Jodern Kellerei einmalig. Der Erweiterungsbau setzt nun auch architektonisch ein Zeichen: Er steht sowohl für das einzigartige Produkt, signalisiert in seiner schlichten Modernität aber auch die Freunde der St. Jodern Kellerei an der Weiterentwicklung. Er vermittelt das Bild einer Genossenschaft, die lust- und freudvoll mehr als gute Weine bieten kann und will. Hoffen wir, dass das Beispiel auch über das Wallis hinaus Schule machen wird.

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Wer sich für eine Degustation oder eine Kellerführung interessiert, kann direkt über die Website eine Buchung vornehmen:
www.jodernkellerei.ch

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Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig