Städtische Innovation: Ein Projekt für das erste schwimmende Parkhaus

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Um verdichtete urbane Siedlungsgebiete aufzuwerten, suchen Städte und Architekten weltweit nach innovativen Lösungen, mit dem Ziel, sie lebenswerter zu machen und gleichzeitig mehr Grünflächen anzubieten. Ganz im Sinne der «Urban Living»-Bewegung setzen sie dabei auf nachhaltige Managementstrategien und neueste Technologien für mehr Lebensqualität. lifetimedesign.ch stellt die innovativsten Projekte vor.

Diese Innovation könnte die Antwort auf viele städtische Herausforderungen sein: Beispielsweise die Begrenzung der Anzahl von Parkplätzen in den Strassen, der Schutz vor Unwetter, die Schaffung von mehr Raum für Grünflächen und die Finanzierung der Adaptation von Städten an den Klimawandel. Hier ist POP-UP, ein Projekt, das eine neue Art des Aufbaus und der Entwicklung von städtischen Gebieten fokussiert.

Ein einfaches Prinzip für eine grosse Herausforderung

POP-UP ist eine Innovation, die vom dänischen Architekturbüro Tredje Natur präsentiert wird. Ein schwimmendes Parkhaus, das mit Regenwasser auf der Grundlage des Prinzips von Archimedes, dass jeder Körper, der in eine Flüssigkeit getaucht wird, einen Schub von unten nach oben erfährt.

Konkret absorbiert das Reservoir bei Regen den Niederschlag. Es hebt oder senkt das Parking und schützt so das Gebiet vor Überschwemmungen. Der Tank kann bis zu 28.000 Kubikmeter Wasser speichern. Normalerweise ist der Wassertank unter dem Parkplatz leer und das Parkhaus funktioniert wie eine traditionelle Tiefgarage, die über eine Rampe zugänglich ist. Im Falle von starken Regenfällen oder sogar sintflutartigen Regenfällen durchläuft das Wasser die Filtersysteme und gelangt in das Reservoir. Wenn das Parking sich anhebt, bleibt es dennoch für Autos und Fussgänger befahr- und begehbar, unabhängig vom Wasserstand im Tank. Sobald das vorhandene Abwassersystem seine Arbeit aufnimmt, fliesst das Regenwasser langsam ab und das Parking senkt sich wieder.
Das Parking umfasst 300 Parkplätze, die auf fünf Etagen verteilt sind. 2.830 Quadratmeter an der Oberfläche sind begrünt und schaffen neue Lebensräume für die Bevölkerung.

Anpassung an demographische Veränderungen und Mobilität

Bis 2050 werden voraussichtlich weltweit mehr als 9 Milliarden Menschen leben. Die Zuwanderung in die Städte nimmt weiter zu und städtische Gebiete sind aufgrund der Anzahl der Fahrzeuge und des Verkehrs noch mehr belastet. Es werden mehr Parkhäuser benötigt, um den Bedarf an Parkplätzen zu decken – dies zu Lasten von Grünflächen. Gleichzeitig wird sich ein Manko im Wasserhaushalt bemerkbar machen. Die Städte werden schneller überflutet. Deshalb braucht es mehr unterirdische Wasserreservoirs. Um diesen klimatischen und demographischen Veränderungen zu begegnen, muss bereits heute die Speicherung von Regenwasser neu konzipiert und die Entwicklung von neuen Grünflächen gefördert werden.

Das Identifizieren von potenziellen Bereichen

Um zu prognostizieren, in welchen Gebieten einer Stadt diese Parkings errichtet werden sollten, ist es notwendig, auf einem Plan die tiefliegenden Zonen, in denen sich das Wasser sammeln wird und wo sich bereits Parkplätze befinden, zu eruieren. Beim POP-UP-Projekt sollen aber nicht nur mehr Grünflächen und Parkplätze geschaffen werden, sondern es soll auch die Lebensqualität in den besonders belebten Vierteln einer Stadt erhöht werden.

Mit diesem originellen und innovativen Projekt hoffen die Architekten des dänischen Kabinetts, die Dichte in städtischen Räumen zu reduzieren und die Städte von morgen angenehmer zu machen. Die POP-UP zeigt auf eine positive Art und Weise, wie Städte sich im Sinne der Nachhaltigkeit an den Klimawandel und den demographischen Wandel anpassen können.

 

INTERVIEW MIT HULDA HALLGRÍMSDÓTTIR, LEITERIN DER GESCHÄFTSENTWICKLUNG UND KOMMUNIKATION VON TREDJE NATUR
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lifetimedesign.ch Was waren die Grundgedanken von POP-UP?

Hulda Hallgrímsdóttir: Ursprünglich entstand die Idee in Kopenhagen aus einem Dialog mit dem Versorgungsunternehmen des Grossraums (HOFOR) zu den zahlreichen geplanten Wassertanks. Wassertanks, die sehr teuer, monofunktionell und zu 99 % leer waren. Diese mussten in Frage gestellt werden, um ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen. Diese Tanks sollten in den dichtesten städtischen Gebieten platziert werden, wo die Tiefgarage nicht den gesamten Platz an der Oberfläche einnehmen würde. Mit diesem Projekt geben wir Raum für neue Anwendungen frei.

lifetimedesign.ch Ist POP-UP revolutionär und wenn ja, weshalb?

Hulda Hallgrímsdóttir: POP-UP ist nicht nur eine Reaktion auf eine beunruhigende Klimasituation. Es ist ein konstruktiver Lösungsvorschlag für eine Fragestellung, die sich durch die Urbanisierung und Massenmigration ergeben hat. POP-UP ist ein Projekt, das von Architekten und Ingenieuren entwickelt wurde, um gewissen Aspekten der komplexen Herausforderung Klimawandel zu begegnen.

lifetimedesign.ch Das Projekt wurde für Städte wie New York entwickelt, in welchen Städten wäre es ebenfalls denkbar?

Hulda Hallgrímsdóttir: POP-UP kann auch auf andere Städte mit ähnlichen Folgen des Klimawandels angepasst werden und erfüllt weitere Anforderungen wie die Einrichtung von Notunterkünften, Lager für Nahrungsmittel, Fahrradabstellplätzen oder Wasserfiltration.

lifetimedesign.ch Wie lange wird es noch dauern, bis das erste schwimmende Parkhaus umgesetzt wird?

Hulda Hallgrímsdóttir: Seit der Publikation des Projekts hat THIRD NATURE interessante Anfragen aus Nordamerika und China erhalten. Das Büro hofft auf eine Möglichkeit, POP-UP in naher Zukunft in einem der C40-Länder zu realisieren.

lifetimedesign.ch Sollten interessierte Städte POP-UP als eine Investition für die Umwelt und eine bessere Lebensqualität in der Stadt sehen?

Hulda Hallgrímsdóttir: Städte werden sich aufgrund des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums verändern, was zu einer Nachfrage nach neuen hybriden Stadttypen führen wird. Dies erfordert eine neue Art von Architektur, die Experimente, Kreativität und Lernen ermöglicht, um sicherzustellen, dass sich unsere Städte an den zukünftigen Bedürfnissen orientieren und nicht an der Vergangenheit. Im Allgemeinen betrachten wir Urbanisierung, Wachstum, erhöhte Lebensqualität und Nachhaltigkeit als Widersprüche. In Wirklichkeit gehören sie zusammen und sollten als ein wesentlichen Teil der Lösung und nicht als Teil des Problems angesehen werden.

Link Gesamtprojekt: tredjenatur.dk

Mélina Neuhaus
Mélina Neuhaus

Co-fondatrice et directrice de communication/relations publiques Elitia Communication