Symposium 2015

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Poggenpohl Group (Schweiz) AG hat am 27. November 2015 zum SYMPOSIUM 2015 mit Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft nach Luzern eingeladen.

Rund 180 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen sich am Freitag, den 27. November zum SYMPOSIUM der Poggenpohl Group (Schweiz) AG im Hotel Schweizerhof, Luzern. Akteure aus der gesamten Immobilienbranche kamen zusammen, um die Neuigkeiten aus dem Hause Poggenpohl zu erfahren, über die Perspektiven für die Immobilien- und Baubranche zu diskutieren, sich auszutauschen und einen schönen Abend zu geniessen.

Enzo Ferrari, CEO der Poggenpohl Group (Schweiz) AG, eröffnete das Programm mit einem Rückblick auf das vergangene Jahr. Die Marken Poggenpohl und pronorm werden in der Schweiz sowohl durch Partner als auch über die eigenen Küchenstudio repräsentiert und aus beiden Bereichen gab es viel zu berichten.

Seit Oktober 2015 hat Poggenpohl mit Patrick Heinen einen neuen Gruppen-CEO und die Überraschung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern war perfekt, als Enzo Ferrari Patrick Heinen nicht nur in der Präsentation ankündigte, sondern quasi als Ehrengast direkt auf die Bühne bat.

Mit der P’7350 Design by Porsche Design Studio kam im Frühsommer 2015 ein neues Küchenkonzept von Poggenpohl auf den Markt, das bezüglich Innovation und Design zu überzeugen vermochte und bereits vor der offiziellen Markteinführung mit den wichtigsten Branchenpreisen ausgezeichnet wurde.

Der 15. Januar 2015 und die Aufhebung des Mindestkurses musste auch Poggenpohl Group (Schweiz) AG zum Anlass für eine Preisanpassung nehmen, konnte so aber verhindern, dass potenzielle Kunden ihre neue Küche im benachbarten Ausland planen lassen.

Geopolitische Herausforderungen

Der Schatten des Wechselkursschocks liegt noch immer über der Schweiz. Denn niemand mag vorhersehen, wie sich dieser Entscheid langfristig auf unser Land auswirken wird. Mit seinen Gedanken zu den geopolitischen Herausforderungen der Schweiz regte Dr. Thomas Borer einen intensiven Dialog unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer an. In der Sache ging es um verschiedene sogenannte Game Changer, welche grosse Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft und die Immobilienbranche haben können und schliesslich um die Frage, wie die Branche unter den aktuellen Rahmenbedingungen ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten kann.

Dr. Thomas Borer indes gelang es in einer sehr persönlichen Rede, eine fundierte Analyse zu den geopolitischen Herausforderungen auf den Tisch zu bringen. Der ehemalige Schweizer Spitzendiplomat plädierte für starke EU, denn nur sie vermag Europa auf globaler Ebene eine Stimme zu geben, für eine „Verschweizerung der EU“ und gleichzeitig auch für eine selbstbewusste Schweiz.

Geopolitische Herausforderungen der Schweiz

Dr. Thomas Borer zeigte zu Beginn seiner Rede auf, wie schnell unsere Welt in Bewegung ist und wie schwierig Prognosen sind. „Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass selbst die Voraussichten der renommiertesten Experten falsch sein können. Der Zusammenbruch der Sowjetunion, der arabische Frühling, der Aufstieg des Islamischen Staates: keines dieser wichtigen Ereignisse war auf dem Radar der grossen Geheimdienste dieser Welt.“ Das Denken in Szenarien werde immer wichtiger. Sechs dieser Szenarien, welche grosse Auswirkungen auf unsere Zukunft haben könnten, bildeten den Kern seiner Analyse.

Ein grosses Risiko birgt für Dr. Thomas Borer die aktuelle Krise der EU. Finanz- und Wirtschaftskrise, Griechenlandkrise, Wettbewerbskrise und aktuell in der Migrationskrise würde sich die EU planlos zeigen und habe beim EU-Bürger sehr viel Vertrauen eingebüsst. „Aussenpolitisch wird die EU regelmässig vorgeführt, vor allem durch die USA, aber auch durch Russland“, so Borer. Er plädierte für interne Reformen. Die meisten Europäer würden sich nicht „more Europe“, sondern „better Europe“ wünschen.

Griechenland ist zwar aus den Schlagzeilen verschwunden, aber die Probleme sind keineswegs gelöst. Ebenso bezeichnet er die unsichere wirtschaftliche Zukunft Frankreichs als Gefahr für Europa und vor allem auch für den Euro.

Weiteres Gefahrenpotenzial sieht Dr. Thomas Borer in der aktuellen Migrationswelle und analysiert: „Das Hauptproblem interessiert uns erst, wenn es vor der Haustüre steht. Mittel- und langfristig braucht Europa eine Migrationspolitik wie die USA eine haben. Sonst wird die Migrationsfrage Europa noch zerreissen.“ In der Migrationsfrage sieht der ehemalige Chef der „Taskforce nachrichtenlose Vermögen“ aber auch ein Argument, das die Schweiz in der noch offenen Verhandlung mit der EU über die Personenfreizügigkeit ausspielen kann.

Terroristische Anschläge sind seit den Attentaten von Paris wieder stärker ins Zentrum des Bewusstseins gerückt. Dr. Thomas Borer denkt, dass derartige Anschläge auch in naher Zukunft passieren können. Was er aber nicht erwartet, ist, dass dies mittel- oder langfristig grosse Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird. „Seit 9/11 haben wir uns an terroristische Attacken gewohnt. Allerdings hat das Attentat von Paris erhebliche politische Auswirkungen: Russland wird noch mehr auf der Weltbühne gebraucht werden.

Er sieht einen tiefgreifenden Einfluss der digitalen Transformation auf die gesamte Wirtschaft. „Die technologischen Möglichkeiten wachsen heute exponentiell, und somit viel schneller als die menschliche Fähigkeit, damit umzugehen“, so Dr. Thomas Borer.

In der Schweiz wird die Aufhebung des Mindestkurses den Strukturwandel beschleunigen. „Die Entscheide der Nationalbank bleiben aber die wichtigsten Game Changer und auch ein grosses Risiko für die Schweiz“, ist Dr. Thomas Borer überzeugt. Vom Januar bis September 2015 habe die Schweizerische Nationalbank 34 Milliarden Verlust gemacht. Sie hat eine Bilanzsumme von 614 Milliarden, das entspricht unserem BIP. Das sind gigantische Zahlen. Dr. Thomas Borer: „Ich frage mich je länger desto mehr, ob die Schweizerische Nationalbank die richtige Strategie fährt.

Zu den Perspektiven für die Bau- und Immobilienbranche

Da die Immobilien und Baubranche mit wenigen Ausnahmen eine ausgesprochene Binnenbranche ist, waren für sie die direkten Folgen des Frankenschocks eher zu vernachlässigen“, analysiert Dr. Thomas Borer. Weil der Frankenschock jedoch negativ auf die Binnenkonjunktur ausstrahle, hätten die Schweizer Immobilienmärkte diesen Entscheid indirekt zu spüren bekommen Der Anpassungsdruck durch die Frankenstärke auf Schweizer Unternehmen sei jedenfalls hoch. Sie hätten immer mehr den Bedarf für Kostenkontrolle und höhere Raumeffizienz. Immobilienakteure müssten daher eine Nachfragereduktion bewältigen.

In den letzten zehn Jahren sind die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser um rund 40% gestiegen. Die Preiswachstumsrate verlangsame sich jedoch und die Zahlungsbereitschaft der Kaufer lasse nach, so Dr. Thomas Borer.

Masseneinwanderungsinitiative / Bevölkerungswachstum

Dr. Thomas Borer ist überzeugt: „Wie auch immer der politische Kampf ausgeht, die Zuwanderung wird weiter anhalten, vielleicht nicht mehr über 103‘000 wie in 2008, aber immer noch 70’000.

Die Bautätigkeit werde keinen grossen Einbruch erleiden. Mittel und längerfristig spiele jedoch nicht nur die Anzahl an Neubauten eine Rolle, sondern auch die in Immobilien integrierte Technik wird mit der Digitalisierung immer fundamentaler. Stichwort ist beispielsweise eine Steigerung der Energieeffizienz bei bestehenden Gebäude, so Dr. Thomas Borer.

Handlungsmöglichkeiten für die Schweiz: Deregulierung

Einen direkten Nachteil für die Baubranche sieht Dr. Thomas Borer in der starken Regulierung. Er sieht in der Harmonisierung von Baurecht und Vorschriften Wege zur Effizienzsteigerung des Kapitalgebrauchs und der Wettbewerbsfähigkeit der Branche.

Proaktives Auftreten im Ausland

In seiner Zeit als Diplomat hat Dr. Thomas Borer in der Schweiz den Begriff der öffentlichen Diplomatie geprägt und auch heute sieht er in dieser ein wichtiges Mittel, um die anstehenden Verhandlungen mit der EU zu begleiten. „Wir müssen in Brüssel und in den wichtigsten EU-Ländern aktiv und offensiv darlegen, weshalb die Schweiz gegenwärtig vor grossen Herausforderungen mit der Personenfreizügigkeit steht, wieso andere EU-Länder ähnliche Probleme bekommen könnten und welche Lösungen wir anbieten“, so Dr. Thomas Borer. „Wir müssen eine europaweite öffentliche Debatte über die Personenfreizügigkeit und Migration in Gang bringen, um Wohlwollen für unsere Anliegen zu schaffen.“

Fazit: Neue Philosophie der Schweiz

Dr. Thomas Borer schliesst sein Referat mit Feststellung, dass die Schweiz viele Mahner, Bremser, Kritiker und zu wenig Visionäre, Beweger, Gestalter, Pioniere habe und plädierte deshalb für eine neue, offensive Philosophie der Schweiz auf internationaler Ebene. Ein immer internationaler verstricktes Wirtschaftsumfeld bedürfe neuer, zeitgemässer Rahmenbedingungen. Die Schweiz sei geographisch und von der Einwohnerzahl her ein Kleinstaat, sonst aber nicht.

Im anschliessenden Interview mit Tagesschau-Moderator Franz Fischlin betonte Thomas Borer nochmals die Notwendigkeit der Schweiz, ein „vernünftiges“ Einwanderungsgesetz zu haben.

Zinspolitik und reale Politik

Mit Sonja Wollkopf Walt von der Greater Zurich Area, den Nationalräten Hans-Peter Portmann, FDP, und Andy Tschümperlin, SP, dem Wirtschaftsverteter Markus Mettler, CEO von Halter, und Dr. Thomas Borer hatte Moderator Franz Fischlin eine Expertenrunde mit den verschiedensten Positionen auf der Bühne versammelt. Ausgangspunkt der Diskussion war die Aussicht einer ersten Leitzinserhöhung seit dem Ausbruch der Finanzkrise, bevor die Diskussion auf Ebene der Realpolitik und den Auswirkungen auf die Immobilienbranche fortgeführt wurde.

Während Hans-Peter Portmann mit einer witzigen Blocher-Parodie neben seinem Finanz-Know-how auch sein komödiantisches Talent zum Besten gab und für Bauernschläue in der Verhandlung mit der EU plädierte, betonte Andy Tschümperlin die Wichtigkeit des Einbezugs der sozialen Fragestellungen in die Diskussion.

Er vertrat die Ansicht, dass Regelung teil der demokratischen Entwicklung sei, während Markus Mettler auf die Notwendigkeit der Komplexitätsreduktion hinwies und in jeder Hinsicht für einfache Lösungen plädierte.

Sonja Wollkopf Walt brachte spannende Ansätze aus der Warte der Standortförderung ein. Der hohe Frankenkurs sei für die Standortförderung weniger problematisch, wichtiger sei die Verfügbarkeit der relevanten Fachkräfte und Arbeitsbewilligungen. Ein grosses Thema sind für sie denn auch die Drittstaatenkontingente und sie regte an, die Frage der Zuwanderung aus einer globalen Perspektive zu betrachten. Dr. Thomas Borer überraschte mit neuen Ideen und Impulsen, von der Regulierungsbremse, die beinhalten würde, dass bei der Einführung neuer Regelungen im gleichen Masse bestehende abgebaut werden müssen bis hin zu einem Staatsfond, in den die Euros aus den Währungs-Stützungskäufen fliessen würden. Eine Idee, die Hans-Peter Portmann prüfenswert fand. nur die Steuerung durch seine Kollegen aus dem Nationalrat behagte ihm wenig. Selbstkritisch bemerkte Markus Mettler, dass Regulierung nicht nur ein Thema der öffentlichen Hand sei, sondern auch in Unternehmen zu Auswüchsen führe.

Nach Abschluss des Roundtable-Gesprächs folgten während des Apéros intensive Diskussionen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums. Während dessen verwandelte sich der Ballsaal des Schweizerhofs mit runden Tischen und Kerzenleuchtern in einen prachtvollen Bankettraum, wo köstlich geschlemmt werden konnte. Im Anschluss öffneten sich die Türen zum Gartensaal, hier wiesen Croupiers und Spieltische auf das letzte Casino-Highlight des Abends hin.

Enzo Ferrari war mit seinem Symposium sehr zufrieden: „Es ist wichtig, dass sich die Vertreter der Immobilienbranche regelmässig treffen. Und es ist toll, dass sich so viele Persönlichkeiten aus der Branche Zeit dafür nahmen“, lobte er.

Referat Dr. Thomas Borer Mehr zu Poggenpohl Group (Schweiz) AG
Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig