Urbane Gebiete und Klimawandel

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Global betrachtet steigt die Temperatur und zeigt viele Auswirkungen, die heute nicht länger ignoriert werden können. Vor allem städtische Gebiete sind aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften und der hohen Bevölkerungsdichte von Temperatursteigerungen betroffen. Die Auswirkungen beeinflussen den natürlichen Wasserkreislauf, gleichzeitig werden Wärmeinseln geschaffen. Unter diesen Auswirkungen leiden vor allem ältere Menschen. Deshalb leiten immer mehr Städte Massnahmen ein, um das Phänomen zu begrenzen.

Im Sommer ist in städtischen Gebieten die Umgebungstemperatur schnell einmal 4 ° C bis 5 ° C höher als in ländlichen Gebieten. Die Ursache sind Wärmeinseln. Hervorgerufen werden diese durch eine hohe Dichte an betonierten und bebauten Flächen kombiniert mit Wärme, die von menschlichen und industriellen Aktivitäten stammt. Dieser Temperaturanstieg belastet die Bevölkerung ebenso wie die Artenvielfalt oder die Zirkulation von Regenwasser, das nicht mehr vom Boden aufgenommen werden kann. Zahlreiche grossangelegte Massnahmen wurden umgesetzt, beispielsweise in Sion. Die Stadt im Wallis zählt zu den wärmsten Städten der Schweiz.

Das 2014 initiierte Projekt AcclimataSion soll zeigen, wie eine Sanierung des Stadtgebiets die Anpassung an das zunehmend heisser und trockener werdende Klima ermöglicht. In diesem Zusammenhang wurde der Parkplatz des Place des Remparts zu einem Ort des städtischen Lebens transformiert. Der helle, durchlässige Bodenbelag lässt das Wasser seinem natürlichen Kreislauf folgen und begrenzt die Wärmeentwicklung. Zusätzlich wurden 700 Ahorne gepflanzt und über 5’000m2 Grünfläche wurde entlang des Cours Roger Bonvin angesät. Damit wurde auch der Boden durchlässig gemacht. Vor allem Laubbäume sind wertvolle Verbündete im Kampf gegen den Hitzeanstieg. Sie reinigen die Luft, eliminieren Schadstoffe und speichern CO2. Darüber hinaus halten sie das Wasser zurück, kühlen die Luft und produzieren Schatten, wodurch weniger häufig Klimaanlagen und Heizsysteme eingesetzt werden müssen.

Abgesehen von den Massnahmen, die in Sion umgesetzt wurden, gibt es noch weitere Lösungen, um die Temperatur in städtischen Siedlungsgebieten zu senken. Die Schaffung von «Korridoren» durch die Architektur von Gebäuden oder die Stadtentwicklung lässt frische Luft in die Stadt fliessen. Eine Änderung der Farbe der Dächer von Gebäuden und Asphaltflächen oder deren Begrünung führt ebenfalls zu einer Verringerung der Umgebungstemperatur von mehreren Grad. Tatsächlich wird durch die Begrünung des Dachs eine Temperatur von 30 ° C erreicht, während die Temperatur auf einem Dach mit dunkler Farbe bei ungefähr 80 ° C liegt.

«Die Vegetation auf asphaltierten Böden kann die Lufttemperatur um fünf Grad senken», sagt Martine Rebetez, Klimatologin an der Universität Neuenburg und Mitarbeiterin der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL.

In Chavannes-près-Renens im Quartier Cèdres ist ein weiteres Pilotprojekt zuhause. In diesem nachhaltigen städtischen Gebiet wird der grösste Teil des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt. Das Quartier wird zukünftig um 700 neue Wohneinheiten für 1’600 Einwohnerinnen und Einwohner in 18 Gebäuden einschliesslich eines begrünten Hochhauses von Stefano Boeri , das 117 m hoch ist und 35 Etagen umfasst, erweitert. Der Mailänder Architekt Stefano Boeri gewann im Jahr 2015 mit seinem Projekt «Die Terrassen von Cèdres» den entsprechenden Architekturwettbewerb. Dieses Projekt wird in ca. 25 Jahren komplett begrünt sein. Der heute schon berühmte Turm, von dem das Erdgeschoss und die oberste Etage öffentlich zugänglich sein werden, wird mit über achtzig Bäumen begrünt. Die begrünte Flache wird insgesamt 3’000m2 betragen und mit Zedern, Kiefern, Efeu oder beispielsweise Geranien bestückt sein. Im Gebäude sind 195 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern und grossen Loggien untergebracht.

Städte werden im Umgang mit dem Klimawandel und seinen Folgen aktiv und es mangelt nicht an Ideen.

 

Mit Hilfe der Wissenschaft und Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Bau und Ökologie sollten sich unsere Städte sich mit der Hilfe der Natur darauf einrichten, ihre Temperatur in der heissen Jahreszeit besser zu regulieren.

Situationsanalyse Schweiz mit einer Expertin für Raumplanung

Um die Problematik auf Ebene Gesamtschweiz und der Städte besser zu verstehen und die Ansätze der Städte vergleichen zu können, haben wir eine Expertin befragt: Melanie Butterling, Programm- und Projektmanagerin, Bundesamt für Raumentwicklung.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind je nach Umgebung unterschiedlich, beispielsweise in ländlichen Gebieten, Städten oder in der Südschweiz. Vor diesem Hintergrund passen sich Schweizer Städte durch die Umsetzung von Massnahmen in drei Bereichen an:

Zu den sogenannt «grünen» Massnahmen gehören beispielsweise die Erschliessung von unbebauten Flächen und Grünflächen, das Pflanzen von Bäumen entlang von Strassenrändern oder das vertikale und horizontale Begrünen von Flächen. Die sogenannten «blauen» sind Anwendungen im Zusammenhang mit Wasser, z. B. die Schaffung von Springbrunnen, der einfache Zugang zu Wasser oder die Verbesserung der Wasserrückhaltung durch den Boden. Schliesslich führen die «grauen» Massnahmen zur Verkleidung von Gebäudefassaden mit Materialien, die keine Wärme speichern, die Wahl der Ausrichtung von Gebäuden oder eine sparsamere Verwendung von wasserdichten Materialien auf dem Boden. «In der Kombination sind die verschiedenen Massnahmen am wirksamsten. Ausserdem ist das Pflanzen von Bäume eine sehr effiziente Massnahme, die zudem auch Lebensqualität bietet », fügt Melanie Butterling hinzu. Damit können Städte auf lange Sicht auch in den Sommermonaten angenehmere Temperatur erreichen.

Als Musterbeispiel dient das Projekt im Quartier des Cèdres in Chavannes-près-Renens. Laut der Expertin des Bundesamtes für Raumentwicklung besteht die Absicht dieses Projekts darin, die Verdichtung der Städte und ihre Entwicklung als Folge des Klimawandels erfolgreich zu bewältigen. Hinzu kommen die vielfältigen Anforderungen, Interessenabwägungen, die Sensibilität der Entscheidungsträger, ihre Fähigkeit zu zukunftsorientierten Entscheidungen und der Mut, etwas Neues zu schaffen.

Aber Chavannes-près-Renens ist nicht der einzige Ort, der ein Projekt zum Umgang mit den Risiken des Klimawandels in städtischen Gebieten initiiert hat. Alle grossen Städte der Schweiz – Zürich, Genf, Basel, Bern, Lausanne, aber auch Sion – arbeiten seit längerer Zeit an diesem Thema. Kleinstädte wie Biel, Neuenburg oder Freiburg thematisieren darüber hinaus auch die Risiken der Klimaerwärmung und wollen Strategien entwickeln, um die «Hotspots» in ihren Städten zu analysieren und auf dieser Basis die entsprechenden Massnahmen umsetzen.

Die Schweiz ist auf dem richtigen Weg, ebenso wie andere Länder, in denen Städte wie Kopenhagen, Montreal, Wien, Berlin oder Karlsruhe bezüglich der Klimaregulierung schon weit fortgeschritten sind. Gemäss Melanie Butterling sind die Städte nicht untätig angesichts der Folgen der Temperaturerhöhung. «Es gibt aber noch viel zu tun», so Melanie Butterling.

Bild: ©patrimoinesuisse.ch, Damien Gross

Johanna Leimgruber
Johanna Leimgruber

Economiste d’entreprise et assistante en communication & RP chez Elitia Communication