+VENOVO – Küche neu gedacht

Mit dem neuen Küchenkonzept +VENOVO hat Poggenpohl getreu dem Motto des Firmengründers «Wir wollen die Küche besser machen» die Küche für urbane Lebensräume neu gedacht. André Backemeier, Director Design von Poggenpohl stellt +VENOVO im Interview mit lifetimedesign.ch vor.

lifetimedesign.ch: André Backemeier, wie würden Sie die +VENOVO in Worte fassen?

André Backemeier: +VENOVO wurde als Möbel gedacht und entworfen und hat deshalb wenig Gemeinsamkeiten mit einer herkömmlichen Küche.

+VENOVO erinnert vielmehr an ein elegantes Longboard. Es wird von zwei umlaufenden Chromstahl-Bügeln getragen, was den Eindruck weckt, dass es im Raum schwebt. Eine ebenfalls schwebende Arbeitsplatte mit versenkter Spüle und einem Kochfeld in Glas verstärken diesen Effekt. +VENOVO kann völlig frei im Raum platziert und mit einem speziellen Sideboard und/oder Hochschränken aus derselben Linie kombiniert werden.

lifetimedesign.ch: Wie kommt man auf die Idee eine Küche als Möbel zu entwerfen?

André Backemeier: Hinter diesem Ansatz steht das internationale 8-köpfige Designteam von Poggenpohl mit den Hamburger Designern Sören Jungclaus und Mathias Knigge, die +VENOVO entworfen und entwickelt haben. Die Vorgabe war, eine Miniküche zu konzipieren, die Leichtigkeit ausstrahlt. Von Beginn an wurde ein Möbel geplant. So entstand ein Korpus, der einzelne Module über die gesamte Breite von drei Metern trägt, und zwar auf zwei hoch belastbaren und doch filigranen Stützen.

lifetimedesign.ch: …und wenn man umzieht, kann man +VENOVO einfach mitnehmen?

André Backemeier: Ja, genau. Bei +VENOVO handelt sich nicht um ein Modell, das millimetergenau in eine bestimmte Wohnsituation eingefügt wird, sondern um ein Möbelstück, das sich sozusagen «eklektisch» in jede Umgebung einpasst. +VENOVO funktioniert sowohl in einem Mikroappartment wie auch in einem Loft oder in einem Neu- oder Altbau.

lifetimedesign.ch: Inwiefern ist +VENOVO als Antwort auf den Megatrend Urbanisiserung und Mobilität zu begreifen?

André Backebauer: Städtische Gebiete werden immer stärker besiedelt und verdichten sich dadurch. Dabei wird der Wohnraum immer knapper,teurer und erfordert dadurch offene Grundrisse. Überträgt man die «herkömmlichen Küchen» eins zu eins in den Wohnraum, sind die Ergebnisse bislang oft unbefriedigend, da der Prozess der Anpassung über Materialien erfolgt deren Wurzeln im Wohnraum liegen, und nicht über die Küchenarchitektur selbst.

+VENOVO ist insofern als Antwort auf den Megatrend Urbanisierung zu begreifen, dass sie den Menschen in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig ganz verschiedene Lebensentwürfe zulässt.

lifetimedesign.ch: Während bei anderen Küchenkonzepten unzählige Materialisierungsvarianten möglich sind, ist die Wahlmöglichkeit bei +VENOVO etwas eingeschränkter. Was sind hier die Hintergründe?

André Backemeier: Ja, das stimmt, was die Arbeitsfläche betrifft. Bei der +VENOVO ist eine dunkle Arbeitsfläche stets Konzeptbestandteil – damit sich der schwarze Glaskeramik des Muldenlüfters zurücknimmt.

lifetimedesign.ch: Sie haben bei ihrer Einführung die +VENOVO mit einem Schweizer Uhrwerk verglichen. Weshalb?

André Backemeier: Das Erhabene einer Schweizer Uhr kann man nicht sehen, sondern nur fühlen. Bei +VENOVO verhält es sich sehr ähnlich. Die Trägerkonstruktion für den Solitär mit einem Gewicht von rund einer Tonne ist im Innern verborgen.

Der Korpus trägt die einzelnen Module über die gesamte Breite von drei Metern auf zwei hoch belastbaren, aber dennoch filigranen Bügeln und kommt ganz ohne Abstützung in der Mitte aus. So entsteht der Schwebeeffekt. Auf den u-förmigen Kufen liegt somit das ganze Gewicht des Solitärs. Sie dürfen nicht vergessen: Die +VENOVO integriert Herd, Backofen, Spüle und Lüftung und ist somit eine voll funktionsfähige Küche. Alle funktionalen Elemente können nach Bedarf eingehängt werden.

lifetimedesign.ch: Wie konnte Poggenpohl die Statik bei dieser Neulancierung testen?

André Backemeier: Als ich im Designprozess das Thema «Blickachsen in der Wohnung» anschnitt, entstand die Idee, die Küche auf Kufen zu stellen und sie so schwebend erscheinen zu lassen. Wir waren alle begeistert von dieser Idee, doch würde sie auch konstruktiv umgesetzt werden können? Die Module nebst Zuladung bringen viel Gewicht. Doch die Ingenieure von Poggenpohl realisierten ein Mock-up im Massstab 1:1 und erprobten die Statik. Wir waren sehr erleichtert als wir grünes Licht für die Weiterentwicklung erhielten.

lifetimedesign.ch: Wo sind denn die Zu- und Abflüsse versteckt?

André Backemeier: Die Zu- und Ableitungen werden zentral über einen verchromtes trichterförmiges Element unterhalb des Korpus geführt. Dieses spiegelt den Boden und bleibt deshalb praktisch unsichtbar.

lifetimedesign.ch: Weshalb wurden die Arbeitsflächen auf zwei Ebenen angeordnet?

André Backemeier: Das hat primär ergonomische Gründe. Das Kochfeld ist tiefer angeordnet. Gerade wenn man mit einem hohen Kochtopf arbeitet, ist dies viel bequemer. Aus stilistischer Sicht unterstützen die beiden Arbeitsflächen den Eindruck der Leichtigkeit.

lifetimedesign.ch: Manchmal wirken die Bilder der +VENOVO wie Suchbilder. Die Küche ist als solche im Wohnraum kaum mehr erkennbar. Ein einziges Indiz liefert die Mischbatterie. Wurde im Designprozess darüber diskutiert, die Mischbatterie ganz verschwinden zu lassen?

André Backemeier: Eine Option wäre ein versenkbares Modell gewesen. Wir wollten die Mischbatterie jedoch als optische Referenz an die Küche beibehalten. Aber es ist schon so, dass im Designprozess immer in ganz verschiedene Richtungen diskutiert wird. Thema war beispielsweise eine versenkbare Küche oder eine Küche ganz aus Glas.

lifetimedesign.ch: Andre Backemeier, besten Dank für dieses interessante Gespräch.

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Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig