„Wir bauen wesentlich günstiger als die öffentliche Hand“

Mit seinen klaren Worten erntete Halter-CEO Markus Mettler am Poggenpohl-Symposium viel Zustimmung aus dem Publikum. Lifetimedesign Blog hat ihn zum Deregulierungspotenzial im Bauwesen befragt.

Wenn sich das wirtschaftliche Umfeld verdüstert, ist die Steigerung der Kosteneffizienz eine der ersten Massnahmen, die Unternehmen planen und umsetzen. Ausserhalb wird der Ruf nach Deregulierung laut. Allein im Hochbau verursacht die Regelvielfalt gemäss SECO Kosten in der Höhe von CHF 1.6 Milliarden beziehungsweise 6 % des Bauvolumens. Eine harmonisierte Baugesetzgebung würde hingegen mehr Standardisierung bei Neubauten ermöglichen. Anlässlich des Symposium 2015 der Poggenpohl Group (Schweiz) AG in Luzern sprach Dr. Thomas Borer über die Perspektiven für die Bau- und Immobilienbranche und sah in der Deregulierung ein wichtiges Instrument zur Steigerung der Kosteneffizienz. Doch was bedeutet das konkret? Lifetimedesign Blog hat Markus Mettler, CEO Halter AG, über seine Anliegen an die Politik befragt, um die Wettbewerbsfähigkeit der Immobilienakteure auch unter weniger positiven Vorzeichen zu halten.

 

Lifetimedesign: In welchen Bereichen des Bauwesens benötigen wir dringend eine Deregulierung?

Markus Mettler: Ich sehe einen Deregulierungsbedarf vor allem bei einzelnen SIA-Normen, die eher in den Bereich Fleissarbeit gehören.

Lifetimedesign: Genügt eine Konkordatslösung ihren Ansprüchen oder braucht es eine einheitliche Gesetzgebung?

Markus Mettler: Die Vereinheitlichung von 30 Baubegriffen und Messweisen im Rahmen der Konkordatslösung macht für mich durchaus Sinn. Dabei erfolgt eine Vereinheitlichung der Begriffe und Definitionen. Ich bin jedoch gegen eine Harmonisierung des Baurechts, denn dieses kann nicht genügend Rücksicht auf die kantonalen und lokalen Gegebenheiten nehmen. Ein harmonisiertes Baurecht würde auch nicht unseren föderalistischen Strukturen entsprechen und wäre im Endeffekt auch weniger sozial, weil weniger regional.

Lifetimedesign: Mit der Geschäftseinheit Halter Entwicklung bewältigen sie immer komplexere Projekte. Was sind Ihre Anliegen an die Adresse der Politik bzw. Behörden?

Markus Mettler: Das wichtigste Element ist ein offener Dialog zwischen den Baubehörden und der Projektleitung. Dabei geht es um menschliche Faktoren und um eine positive Grundeinstellung in der Zusammenarbeit. Wenn immer möglich, suche ich zu Beginn eines Projekts den persönlichen Dialog mit dem Gemeindepräsidenten und stelle ihm unser Projekt persönlich vor.

Im Bereich Halter Entwicklung ermutige ich meine Projektmanager permanent, Projekte zu vereinfachen. Dadurch senken sich auch die Baukosten. Im Vergleich mit Projekten, die die öffentliche Hand plant, sind wir deshalb wesentlich günstiger und zwar nicht, weil wir bessere Angebote aushandeln oder besser kalkulieren. Die Fähigkeit, Projekte mit gesundem Menschenverstand zu reduzieren wird bei der öffentlichen Hand nicht gefördert, da Beamte keine Verantwortung für Ihre Bauwerke übernehmen müssen.

 

Lifetimedesign: Bei einer positiven Entwicklung der Bautätigkeit steigt in der Regel die politische Abwehrhaltung gegenüber dem Bauen und damit auch der Regulierungsdruck. Können wir hoffen, dass sich dieser – bedingt durch die aktuelle Situation – tendenziell eher wieder lockert?

Markus Mettler: So widersprüchlich wie es klingt, ist es leider. Obwohl eine rege Bautätigkeit in der Regel auf gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen hinweist, entwickelt sich oftmals eine politische, aber auch gesellschaftliche Abwehrhaltung gegenüber dem Bauen. Wenn die Wirtschaft schlechter läuft, sind die Menschen froh, dass überhaupt noch gebaut wird.

Lifetimedesign: Braucht es zur Förderung der sogenannten Verdichtung als Massnahme gegen die Zersiedelung der Schweiz bessere Anreiz- bzw. Belohnungssysteme für Hauseigentümer?

Markus Mettler: Die Schweizerinnen und Schweizer wollen zwar keine weitere Zersiedlung und akzeptieren auch eine dichtere Bauweise, solange sie nicht im eigenen Umfeld stattfindet. Dort sollmöglichst alles so bleiben, wie es ist. Deshalb bin ich der Meinung, dass es bessere Anreiz- bzw. Belohnungssystem für Hauseigentümer braucht. Denn 70 % des Grundeigentums, bei dem durch Ersatzneubauten eine Verdichtung nach Innen herbeigeführt werden könnte, liegt in privaten Händen.

Mehr zur Halter AG: www.halter.ch

Bericht Symposium 2015
Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig