Zeitgenössische Kunst: die Trends

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Zeitgenössische Kunst – wo Profis und Sammler ihre Entdeckungen machen und wo sich der Einstieg lohnt, ohne grosse Summen auszugeben.

Zeitgenössische Kunst – bei diesem Begriff schwingt für viele Menschen Unverständnis mit. Sie denken an Künstler, die aus Luftballons Hunde machen, für die schon mal hohe Millionenbeträge bezahlt werden. Obwohl der Spitzensektor der zeitgenössischen Kunst, d.h. Werke, für die auf Auktionen über 1 Mio. Euro bezahlt werden, unter einem halben Prozent des Gesamtvolumens liegt, ist er es, der die Medienwirksamkeit und die Spekulation aufrecht erhält.

Kunst ist ein Medium der Erfahrung. Zeitgenössische Kunst kann uns helfen, die Gegenwart besser zu verstehen. Die Gründerin der Basler Emanuel Hoffmann-Stiftung, Maja Sacher, hatte den Leitsatz für Ankäufe ihrer Sammlung moderner Kunst einst so formuliert: „Es soll sich um Werke handeln, die sich neuer, in die Zukunft weisender, von der jeweiligen Gegenwart noch nicht allgemein verstandener Ausdrucksmittel bedienen.“

Wer nach jungen Künstlern Ausschau hält, wird an der LISTE – Art Fair Basel fündig. Die LISTE wurde 1996 gegründet. Innert kurzer Zeit hatte sie sich zur weltweit bedeutendsten Messe für neue Galerien und aktuelle Junge Kunst entwickelt. Die strenge Auswahlpolitik der anonymen Fachjury und die niedrig gehaltene Anzahl Aussteller verleihen der Messe eine hohe Qualität und viel Dynamik. Sehr schnell bildete sie die Brücke zur Art Basel und zu anderen etablierten Kunstmessen der Welt. So ist der Besuch der LISTE inzwischen zu einem “must” für Sammler und Kuratoren geworden, die sich mit junger Kunst beschäftigen. Viele Galerien und Kunstschaffende wurden auf der LISTE entdeckt. So nahm beinahe jede heute bedeutende Galerie, die nach 1995 gegründet wurde, ihren Weg über die LISTE.

In der Jubiläumsausgabe vom 16. – 21. Juni 2015 präsentiert die LISTE 79 Galerien einer neuen und mittleren Generation aus 31 Ländern mit Arbeiten von über 180 Kunstschaffenden, darunter viele Neuentdeckungen und wird auch in diesem Jahr zum Treffpunkt für wichtige Sammler, Museumsleute, Kunstliebhaber und Künstler werden.

Der Kunstmarkt steht gegenwärtig ganz im Zeichen des Wettbewerbs. Das hält auch immer wieder potenzielle Sammler von einem Einstieg ab. Schaut man jedoch das Preisniveau auf Auktionen an, so ist Kunst nicht nur gut beratenen Investoren und Eingeweihten vorbehaltenen.

Der Kunstmarkt ist immer noch ein Gebiet für kleine und mittlere Budgets. Jedes Jahr werden weltweit zwischen 100 000 und
200 000 Kunstwerke von Künstlern aller Schaffensperioden für weniger als 10 000 Euro versteigert und ca. 80 % der Werke oder Werkgruppen sind für weniger als 5 000 Euro zu haben. Die Auswahl ist also breit, und Käufe sind möglich, ohne grosse Summen auszugeben. In der Preisspanne unter 5000 Euro erhält man im Wesentlichen Grafiken. Grafiken sind jedoch nicht zu unterschätzen, signiert und nummeriert stellen sie eine sichere Anlage ohne grosses Wertverlustrisiko dar.

Der zeitgenössische Sektor beinhaltet ein höheres Rentabilitätsrisiko als die Nachkriegskunst oder die Moderne. Der Markt ist weniger ausgereift und daher anfälliger für Schwankungen. Für eine Keramik von Jeff Koons’ Balloon Dog beispielsweise muss man mit 2 000 bis 5 000 Euro rechnen. Dieses Werk wurde in rot und blau zu je 2300 Exemplaren gefertigt und ist heute zehnmal so teuer wie in den Jahren 2000/2001, obwohl von Rarität hier kaum die Rede sein kann. Die Nachfrage ist aber nach wie vor gierig und das Risiko minimal in dieser Preisspanne.

Jeff Koons profitierte im Jahr 2014 von der ersten Retrospektive im New Yorker Whitney Museum of American Art. Einige Monate vor der Eröffnung der Retrospektive schlug Christie’s bei 58.4 Mio. Dollar für den Balloon Dog Version orange zu, eine Skulptur von drei mal vier Meter. Der in fünf Farben existierende Balloon Dog (blau, magenta, orange, rot und gelb) ist Jeff Koons’ populärste Kreation. Sie gehört zur Serie Celebration, in der Koons das Thema der Geburtstagsfeier aufgriff und verfremdete.

Ob Neuentdeckung oder Bewährtes: Sammeln Sie mit Leidenschaft. Bringen Sie viel Zeit mit. Wer nicht nur nach dem Hörensagen sammelt, sondern sich für die Künstler und die Werke interessiert, viel anschaut, viel liest, sich guten Rat einholt, investiert auf längere Sicht bestimmt auch gut.

Stephanie Steinmann
Stephanie Steinmann

als freischaffende Bloggerin in Männedorf ZH tätig