Kreislaufwirtschaft – die neue Nachhaltigkeit im Produktionsprozess

Nachhaltigkeit ist nicht bloss ein Trend, sondern entwickelt sich immer mehr zu einem positiven Lebensgefühl und durchdringt all unsere Lebensbereiche. Gerade auch im Küchenbereich ist das Thema sehr präsent. Zum einen rund um das Essen, wo Foodwaste, Abfallreduktion und die Abkehr vom Plastik eine grosse Rolle spielen. 

Das junge Schweizer Label Loggia16 hat sich zum Ziel gesetzt, Haushalts-Verbrauchsartikel neu und besser zu gestalten. Mit ihren Bienenwachstüchern und dem Lebensmittelsack leisten wir einen weiteren Beitrag zu weniger Einwegverpackung und nachhaltigem Dasein. Der Leitartikel gibt Einblick in die Kreislaufwirtschaft, wie Nachhaltigkeit im Produktdesign tatsächlich und ganzheitlich umgesetzt werden können. Das etwas verstaubte Öko-Image und das Dogma der Schuldzuweisung, das einem nachhaltigen und ökologischen Lebensstil früher anhaftete, ist längst passé. Nachhaltigkeit entwickelt sich zu einem positiven Lebensgefühl und durchdringt all unsere Lebensbereiche.

Besonders bewusst wurde mir das im Januar an der Fachhändlermesse Ornaris, an welcher wir selbst mit den Produkten von Fidea Design präsent sind. Zum einen zeigt sich das an der Zusammensetzung der angebotenen Produkte. Obwohl noch immer sehr viel Massenware aus Fernost präsent ist, merkt man eine starke Zunahme von lokalen, fair und handwerklich hergestellten Artikeln. Zum anderen steigt die aktive Nachfrage von unseren Einkäufer*innen nach Produktionsort, Materialherkunft, etc.; ein weiterer Indikator dafür, wie relevant dieses Thema in der Zwischenzeit ist. Dass ich vor Ort – immerhin an einer Konsumgütermesse – gar zu einem Podiumsgespräch zum Thema „Kreislaufwirtschaft“ eingeladen wurde, zeigt eindrücklich, dass Nachhaltigkeit eben kein Trend, sondern die Zukunft ist. Dass kann einen durchaus etwas einschüchtern, schliesslich lebe ich mit Fidea Design vom Verkauf von neuen Produkten. Das Gespräch hat aber auch gezeigt, dass der Ansatz der Kreislaufwirtschaft auch neue Geschäftsmodelle hervorbringt – mit einem klaren Fokus auf Langlebigkeit anstelle von Massenverbrauch. Christian Meier, der als Experte geladen war, hat in diesem Zusamenhang die 11 R’s definiert, welche unserem Konsum in Zukunft leiten sollen: Rethink (Überdenken) / Refuse (Ablehnen/ Recude (Reduzieren) / Rent (Mieten) / Reshare (Teilen) / Reuse (Wiederverwenden) / Repair (Reparieren) / Repurpose (Umnutzen) /Refurbish (Auffrischen) / Recycle (Rezyklieren) / Rot (Kompostieren).

christian-meier.ch/ansatzpunkte

In der Schweiz gibt es verschiedene Firmen, die sich für die Umstellung auf die Kreislaufwirtschaft engagieren. Zwei Vorreiter aus dem Bereich des Produktdesigns stellen ich euch gerne vor.

Atelier Pfister
Die Eigenmarke vom Schweizer Möbelhaus setzt bei ihren Textilien seit 2017 auf die revolutionäre Cradle to Cradle® Methode. Produkte mit diesem Label können nach Gebrauch rückstandslos in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden. Dies da bereits bei den Rohstoffen auf höchste Qualität ohne Schadstoffe gesetzt wird. Aber nicht nur die Qualität der Materialien ist einwandfrei, bei der Verarbeitung wird zudem darauf geachtet, dass Baumwollplantage, Spinnerei, Weberei, Ausrüstung und Konfektion im selben Tal in einem Umkreis von 50 km liegen. Alle C2C Produkte werden nach der Nutzung von Pfister zurückgekauft. Der Kunde erhält dafür 10 % des ursprünglichen Verkaufspreises in Form von Einkaufsgutscheinen ausgestellt. Sämtliche C2C Produkte werden gesammelt und in eine Hightech-Kompostieranlage geschickt. Dabei entstehen wertvolle Nährstoffe und Biogas. Pfister startet das Projekt mit Vorhängen, in der Zwischenzeit umfasst die Cradle to Cradle® Kollektion auch Bett- und Frottierwäsche – und dies alles zu einem attraktiven und konkurrenzfähigen Preis.
pfister.ch/de/umwelt-und-nachhaltigkeit/cradle2cradle

Girsberger
Beim Familienunternehmen Girsberger, welches vor allem Büromöbel aber auch Ausstattungen für den Wohnbereich produziert, spielt Nachhaltigkeit schon seit über 10 Jahren eine wichtige Rolle. Dazu führt das Unternehmen regelmässig Analysen durch, welche online frei zugänglich sind. Dabei werden nicht nur Erfolge sondern auch verpasste Ziele thematisiert. Dies zeigt, dass die Umstellung nicht von 0 auf 100 gelingt, sondern ein laufender Prozess ist. Bei Girsberger werden Textil- und Lederabfälle an die Schuhindustrie weitergegeben. Ebenso werden Holzabfälle wenn immer möglich weiterverarbeitet oder verheizt. Genau so wichtig ist das Remanufacturing-Angebot der Firma. Dort werden nicht nur eigene Möbel, sondern auch Einrichtungsstücke von anderen Herstellern restauriert und ihre Lebensdauer verlängert. Somit rückt man ab vom reinen Neuverkauf, kann dadurch aber auch eine neue Dienstleistung anbieten.

Für Girsberger dient Nachhaltigkeit aber nicht bloss der Erschliessung neuer Geschäftsfelder oder der Vermarktung, sondern ist eine absolute Notwendigkeit. Nur wenn wir als Gesellschaft den Ressourcenverbrauch klar minimieren, kann die Lebensgrundlage auch für zukünftige Generationen erhalten werden.
girsberger.com/company/werte/nachhaltigkeit

Weitere Links zu diesem Thema:
christian-meier.ch/best-practice
circular-economy-switzerland.ch
www.ce2.ch
make-furniture-circular.ch

Franziska Bründler
Franziska Bründler

Berichtet über kreative Produkte und ihre persönlichen Erlebnisse mit (jungen) Designer aus der Schweiz, und ist die Gründerin des Labels Fidea Design, www.fideadesign.com.